Diese Leidenschaft geht unter die Haut

„Motiviert durch den Aufruf mit dem Begriff `Mottenkiste` habe ich nun auch die Fotokiste durchforscht und in Erinnerungen gekramt. Hier kommt meine Capri-Geschichte, ich bin Wolfgang Tjebben.

Alles begann 1987 als Führerscheinneuling. Ich brauchte ein Auto. Mir war es eigentlich egal, Hauptsache vier Räder und ein Lenkrad. Ich war es leid auf dem Moped bei Wind und Wetter nass zu werden. Der Vater, meiner damaligen Freundin, der einen Capri fuhr, sagte zu mir, es muss schon ein Capri werden sonst wird es schwer als Schwiegersohn.

Die letzte Fahrt mit dem II-er ging zum Schrottplatz.

Die letzte Fahrt mit dem II-er ging zum Schrottplatz.

Befehl verstanden. Als Lehrling ist das Geld bekanntlich knapp, so wurde es ein II-er mit einer 1,3 Liter-Maschine und einem Jahr TÜV für 700 D-Mark.

Jung - keine Ahnung von der Technik

Ich kann mich noch an eine Geschichte erinnern, die mir in meiner Heimatstadt Emden passiert ist. Da stand ich an einer Ampel, sie stellt von Rot auf Grün. Ich erster Gang rein, dann zweiter Gang und als ich mit Schwung in den dritten schalten wollte hatte ich den ganzen Schaltknüppel in der Hand. `Scheiße, was ist jetzt los?`Ich war jung und von der Technik noch keine Ahnung. Also habe ich meinen Kumpel angerufen, der zu der Zeit Kfz-Mechaniker-Lehrling war. Zusammen haben wir dann festgestellt, dass die Befestigung des Schalthebels, die aus einer Kunststoffmutter bestand, das Gewinde ausgelutscht hatte. Wir haben dann Isolierband drum gewickelt, dann ging es wieder.

Da mein erster Capri untenrum sehr rostig war und ich zur damaligen Zeit nicht wusste, was das heißt und welche Konsequnezen das hat, musste ich mich nach nur einem Jahr von ihm trennen. Dementsprechend ging die letzte Fahrt zum Schrottplatz und was soll ich sagen: Da stand ein roter III-er. Den musste ich einfach haben. Er hatte nämlich eine 1,6 Litermaschine also deutlich mehr PS!

Die letzte Fahrt mit dem II-er ging zum Schrottplatz.

68 PS - wenn man zuvor einen „Einsdreier“ hatte, ist so ein „Einssechser“ ein schnelles Fortbewegungsmittel.

Da fällt mir wieder eine kleine Geschichte ein. Ich kaufte mir einen Spoiler bei D&W - dem einen oder anderen wird die Firma noch etwas sagen. Nachdem ich ihn montiert hatte, fuhr ich ein paar Monate mit mein Schätzchen herum bis ich irgendwann nachts von der Polizei angehalten wurde. Der Polizist hat meine Papiere durchgeschaut und meinte: `Wo ist die ABE von dem Spoiler?´ Ich dachte: ´Was will der denn, eine was?´ Zur damaligen Zeit wusste ich ja nicht, dass man die Sachen, die man so an sein Auto baut, eintragen lassen muss.

Den Super GT empfand Wolfgang Tjebben „wie ein Flugzeug“.

Den Super GT empfand Wolfgang Tjebben „wie ein Flugzeug“.

Nun gut, der nette Beamte hat dann eine Anzeige geschrieben und als er fertig war ruft sein Kollege: ´Schnell da will jemand abhauen´. Weg waren sie mit Tatütata und ich dachte nur: `Konnte der Typ nicht 15 Minuten früher kommen?!´

Capri mit Langstreckenqualität

Nachdem ich später meine Lehre abgeschlossen hatte und nicht übernommen wurde, stand ich vor der Frage meiner Zukunft. Was nun? Ich habe mich in meinem roten Flitzer gesetzt und bin in den Süden gefahren, wo ich dann auch tatsächlich Arbeit gefunden habe. Da das Heimweh so groß war und ich zur damaligen Zeit geschichtet habe, bin ich alle zwei Wochen 750 Kilometer einfache Strecke nach Hause gefahren. Damals habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, dass mein Auto eventuell mal liegen bleiben könnte. Und zum Glück ist es auch nie eingetreten.

Nachdem ich nach und nach immer mehr Bekanntschaften machte, wurde es dann auch besser mit dem Heimweh. Irgendjemand sagte mir dann, dass es hier einen Club geben würde. Das schaue ich mir mal an, dachte ich mir. Der Verein hieß Capri Club Schwaben, dort bin ich heute immer noch Mitglied. Ich lernte unter anderen Andreas Sonntag kennen, der damals wie heute der Vorsitzende ist. Der hat mir ein Anmeldeformular gegeben, ich habe es an Ort und Stelle ausgefüllt. Andreas fragte, ob ich nicht noch überlegen wolle. `Nein´sagte ich und dachte mir im Stillen, dass mir etwas Besseres nicht passieren könne. Allein in der Fremde, die Freunde weit weg, aber großer Spaß am Auto. Genau die richtige Option! Ich lernte immer mehr Leute kennen, die mein Hobby teilten.

Schnell bekam ich mit, dass es auch Capris mit richtig Dampf unter der Haube gab. Dies hat mich inspiriert, mir einen 2,3 Liter Super GT zu kaufen. Ich dachte wirklich, ich sitze in einem Flugzeug. Spoiler vorne, Spoiler hinten, schöne glänzende ATS, alles top gepolstert, Mittelkonsole, großes Armaturenbrett und dieser Motor. Wow, da ging richtig was! Man überlege, ich hatte vorher einen `Einssechser´.

Dieses Geschoss habe ich dann gefahren, bis ich 1990 zur Bundeswehr musste. Geld mal wieder sehr knapp, daher musste ich ihn für diese Zeit abmelden. Leider hat ihm das nicht gut getan, die Garage enpuppte sich leider als Feuchtbiotop. Mir hat das Herz geblutet!

Was nun? Ich bin dann zu dem Entschluss gekommen das Auto zu zerlegen und die Teile zu verkaufen, was ich heute im übrigen niemals mehr tun würde! Zur damaligen Zeit gab es keinen Club-Kameraden, der kein Teil von mir in seinem Capri hatte.

Der 2,8 i, hier noch mit den originalen Stoßstangen.

Der 2,8 i, hier noch mit den originalen Stoßstangen.

Der 2,8 i mit Pferdchen und den Stoßstangen vom II-er.

Der 2,8 i mit Pferdchen und den Stoßstangen vom II-er.

Die Probefahrt war der Hammer

Jetzt brauchte ich also ein neuen Capri. Sollte ja nicht so schwer sein es war 1991, also nicht so lange nach Produktionsende. Mir hat ja der Werksturbo damals gefallen. Nicht einmal in erster Linie wegen des Motors, sondern wegen der Verbreiterung. Naja, so etwas war nicht zu bekommen, jedenfalls nicht zu einem für mich bezahlbaren Preis.

Ein damaliger Club-Kamerad hat mir dann einen 2,8 i schmackhaft gemacht. Dieses Fahrzeug war aus dem September 1984. Der Besitzer hatte, nach dem er das Auto mit einem Motorschaden nicht verkauft bekommen hat , eine neue Maschine für 7.500 D-Mark eingebaut. Die Probefahrt war der Hammer, ich musste das Ding haben. Nach harten Verhandlungen kamen dann 16.000 D-Mark heraus, die ich in den folgenden fünf Jahren abbezahlt habe.

Im Laufe der Jahre habe ich den Wagen dann so verändert wie er mir gefiel. Darunter fielen auch die Stoßstangen vom II-er, was so etwas wie mein ´Markenzeichen´ ist. So gingen die Jahre ins Land bis 2008. An einem Morgen gegen 5.30 Uhr meinte ein Reh mit 25 Kilogramm, es müsse sich mir in den Weg stellen. Das war es dann erstmal mit Caprifahren. Was nun?

Die Begegnung mit dem Reh hinterließ am Capri einen nachhaltigen Eindruck.

Die Begegnung mit dem Reh hinterließ am Capri einen nachhaltigen Eindruck.

So steht Wolfgang Tjebbens Capri heute da. Das Fahrzeug dient am Oberarm auch als Cover-Up.

So steht Wolfgang Tjebbens Capri heute da. Das Fahrzeug dient am Oberarm auch als Cover-Up.

Zur damaligen Zeit zerbrach gerade meine Ehe und ich hatte eigentlich andere Sorgen. Nach langer Überlegung stand fest: Ich werde ihn wieder aufbauen. Da fällt mir gerade die Geschichte mit der Versicherung ein. Der Capri war ein wirtschaftlicher Totalschaden und da man so etwas ja auch nicht jeden Tag hat musste ich mich erst mal informieren, was dies eigentlich bedeutet. Ich bekam also von der Versicherung Geld und mein geliebtes Auto ging an die Versicherung. Die wiederum hat das Fahrzeug in einem Portal gestellt wo nur Händler Zugang hatten. Diese konnten dann ein Angebot machen. Ein Bieter hat sage und schreibe 50 Euro geboten. Lachhaft, aber gut für mich. Was ich damals noch nicht wusste: Ich hatte das Vorkaufsrecht!

Für 50 Euro einmal retour

Das Angebot lief zwei Wochen und ich habe gebetet. Wenn jemand zu viel geboten hätte, wäre es für mich schwierig geworden. Denn je höher das Angebot, umso weniger Geld hätte ich für die Instandsetzung bekommen bis hin zu dem Punkt, wo ich ihn nicht mehr hätte halten können. Zum Glück hat niemand mehr geboten somit habe ich mein eigenes Auto für 50 Euro zurückbekommen was von dem Geld des Totalschadens - der übrigens bei 7.300 Euro lag - abgezogen wurde.

Von nun an bin ich dann tagsüber zur Arbeit und abends bis tief in die Nacht zu meinem Auto da mich ja zuhause niemand mehr gebraucht hat, ausgenommen mein Sohn. Es war damals Balsam für meine Seele. Hier ein kleine Anmerkung von mir: Egal was kommen mag ob Geldprobleme, Ehekrise, Insolvenz oder Wirtschaftskrise. Nichts von dem sollte Grund sein, sein Hobby zu verkaufen, weil es einem auch hilft, über diese Hürden zu kommen. Dies nur als Bemerkung von jemandem, der das alles schon erlebt hat.

Nachdem ich alle betroffenen Blechteile getauscht oder repariert hatte stand ich vor der Frage: originaler Lack oder etwas anderes? Nachdem eigentlich nur das Dach und die Beifahrertür nicht hätten lackiert werden müssen, habe ich mich entschlossen ihn ganz zu lackieren. Dies hatte zur Folge, dass ich mich für eine andere Farbe entschied. Nun stand noch eine komplette Zerlegung an, weil ich es nicht leiden kann, wenn einer seinen Motorraum öffnet und da eine andere Farbe heraussticht. Nach zehn Monaten war ich dann fertig und konnte endlich wieder fahren. Die Arbeit hat sich gelohnt und dadurch, dass ich mit meiner Ehe abgeschlossen hatte, hatte ich wenigstens wieder etwas was mir gut tat.

Ich hatte zur damaligen Zeit auch ein Tattoo meiner Frau und das musste jetzt weichen. Ich dachte mir: ´Wer hat dich nie enttäuscht?´ Natürlich mein Capri. Also musste ein Cover-Up von meinem Baby her. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denke ich.

So gingen die Jahre weiter. 2017 war dann noch mal so ein Erlebnis der schönen Art als ich nach über 30 Jahren in der Capri-Gemeinde meine erste Trophäe überhaupt bekommen habe. Das war für mich wie ein Ritterschlag, nur schöner.

Zum Abschluss noch ein Wort zu meinem Sohn Jannik: Er arbeitet bei Ford und fährt Capri. Versteht sich!“

Das geht unter die Haut!

Das geht unter die Haut!

[Text & Fotos: Wolfgang Tjebben]


2.494 plus Rot plus Scheune

Das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht jährlich eine Auswertung der Bestandszahlen der Kraftfahrzeuge.

Wir wissen, dass die Zahl von rund 2.500 Capris ausschließlich die regulär zugelassenen Autos betrifft. Fahrzeuge, die mit der 07-er Sammelnummer bewegt werden tauchen hier ebenso wenig auf, wie alle jene „Schätze“ oder „Schrottis“, die in Scheunen, Hallen, Garagen oder gar unter Hecken und Büschen vor sich hindösen. Wie hoch die Dunkelziffer aller noch vorhandenen Capris ist: Wer will das abschätzen?

Das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht jährlich eine Auswertung der Bestandszahlen der Kraftfahrzeuge. Diese befindet sich im Netz unter https://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Fahrzeugalter/fahrzeugalter_node.html.

Die Datei mit dem Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern nach Herstellern und Typen ist im Netz unter hier zu finden. Achtung: Ford (D) taucht dort wie erwähnt unter zwei verschiedenen Herstellerschlüsselnummern auf.

Den KBA-Zahlen zufolge stieg der Bestand an Kfz und Kfz-Anhänger mit Oldtimer-Status zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 1. Januar 2020 um 10,9 Prozent auf nunmehr 595.046.

[Text: Marc Keiterling - Fotos: ADAC & Kraftfahrt-Bundesamt]


30 Jahre währender Schlaf beendet

Was Scheunen in der Ammersee-Region so alles beherbergen...

Was Scheunen in der Ammersee-Region so alles beherbergen...

„2020 ist es 30 Jahre her, als ich folgenden Hinweis von einer ehemaligen Arbeitskollegin erhielt: ´Der Freund meines Vaters gibt seinen Capri her. Hast du Interesse? Du sammelst doch so etwas´.

Natürlich hatte ich Interesse! Mein erstes Auto war von 1981 bis 1984 ein I-er. Ein 1500-er in der Farbe Dark Burgundy. Den verkaufte ich zugunsten eines III-ers 2,3 S. Doch schon damals hatte ich den Wunsch, irgendwann mal wieder einen I-er zu haben. In den vielen Jahren habe ich diverse weitere Capris besessen, viele von euch kennen mich sicherlich in erster Linie in Verbindung mit meinem aktuellen roten 2,8i. Auf die ganzen anderen Fahrzeuge möchte ich hier nicht weiter eingehen, im Fokus dieser Story soll das Angebot von 1990 stehen.

...wird sichtbar, wenn Langzeitschläfer aufgeweckt werden.

...wird sichtbar, wenn Langzeitschläfer aufgeweckt werden.

Hellgrün 67:: Kracher oder Krepierer

So ging die Geschichte also weiter. Ich fuhr nach dem Tipp zum vereinbarten Treffpunkt. Dort konnte ich folgendes besichtigen: Capri I, 2000 GT XLR, ausgestattet mit allen nach damaliger Preisliste möglichen Extras zusätzlich zum Paket GT XLR. Lediglich ein Schiebedach fehlt. Die Farbe: Hellgrün 67! Dieser Knallerton polarisiert. Je nach Geschmack ist das entweder ein Kracher oder ein Krepierer. Kalt lässt das vermutlich keinen Betrachter.

Ich überlegte kurz, doch einen Capri in dieser Farbe hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Anfang 1990 kaufte ich für kleines Geld den Wagen. Die Hauptuntersuchung war 12/89 abgelaufen, die Reparatur für den Vorbesitzer zu kostenintensiv. Das Fahrzeug war komplett mit Schlüsseln 2-fach, Metallplättchen mit Schlüsselnummer, Bedienungsanleitung und Ford-Serviceheft und nur circa 105.000 gefahrenen Kilometern in 18 Jahren.

Ich lernte dann vor rund zwölf Jahren meinen Freund und Capri-Kollegen Joachim von Alten während der Messe Techno Classica in Essen kennen. Lustigerweise wohnte er gerade einmal zwei Ortschaften von mir entfernt, trotzdem sind wir uns hier in der Ammersee-Region zuvor nie begegnet. Bei Gesprächen mit Joachim über unser Lieblingsthema und die eigenen Autos wurde er hellhörig, als ich ihm von dem grünen I-er erzählte. Den wollte er dann schnellstmöglich sehen und es stellte sich heraus: er kennt das Auto. Sachen gibt’s!

Damals im Vorführwagen

Joachim wollte sich 1971 in jungen Jahren einen Capri kaufen und hat just bei der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug meinen Grünen beim damaligen Ford-Händler Knoll in Stockdorf im Landkreis Starnberg entdeckt. Hat im Auto auch probegesessen. Doch diese Signalfarbe ging für ihn seinerzeit mal überhaupt nicht.

Die Bekanntschaft von Joachim mit dem Grünen belegt klar der Aufkleber des Autohauses auf dem linken Kotflügel und der erste Haltereintrag. Der Wagen wurde in Köln im April 1971 gebaut und am 22. Juni auf den Besitzer des Autohauses als Vorführwagen mit dem Kennzeichen STA-T 777 zugelassen.

Das Autohaus Knoll lieferte 1971 aus.

Das Autohaus Knoll lieferte 1971 aus.

Es tun sich Öffnungen auf.

Es tun sich Öffnungen auf.

Der Capri fand im Juli 1971 einen Käufer und wurde von diesem dann am 13. Juli umgemeldet. Dieser fuhr den Wagen intensiv bis Frühjahr 1973 und verkaufte ihn dann nach Gauting, eine Nachbarortschaft vom ursprünglichen Händler Knoll. Der Kilometerstand betrug zu diesem Zeitpunkt etwa 50.000 Kilometer, die Ummeldung erfolgte am 21. Mai 1973.

2015 erfolgt eine Hängerausfahrt zur Messe nach Friedrichshafen, wofür eigens andere Räder montiert wurden.

2015 erfolgt eine Hängerausfahrt zur Messe nach Friedrichshafen, wofür eigens andere Räder montiert wurden.

Auf der Messe in Friedrichshafen stahl der marode 2000-er dem topgepflegten RS beinahe die Show.

Auf der Messe in Friedrichshafen stahl der marode 2000-er dem topgepflegten RS beinahe die Show.

Dieser neue stolze Besitzer hegte und pflegte den Wagen bis in die Mitte der 80er Jahre. Es wurde dann wegen Rost mal der rechte Kotflügel erneuert, im Motorraum zwei Bleche eingeschweißt, der linke Kotflügel und beide Radläufe hinten wurden mit Polyestermatten und Spachtelmasse kunstvoll ´TÜV-konform´modelliert. So überstand der Capri die nächsten zwei Hauptuntersuchungen 1985 und 1987.

Bei der nächsten Kontrolle im Dezember 1989 waren dann aber die Spachtelkünste nicht mehr plakettenwürdig und der Besitzer entschloss sich beim Kilometerstand von nun circa 105.000 Kilometern zur Trennung. So kam ich über die Mund-zu-Mund-Info an den Capri, den ich nach kurzer Besichtigung einen Tag später beim Vorbesitzer abholte.

Meine Neuerwerbung wurde dann mit meinen damals weiteren diversen Capri I und III in Scheune eins untergestellt, musste dann in Scheune zwei umziehen um schließlich in Scheune drei, auf einem früheren Bauernhof in meinem Heimatort, zu landen. Die einzigen Bewegungen für lange Zeit.

Ein Messeauftritt und seine Folgen

So vergingen die 90er, die ´Nuller´und es brachen die 2010er Jahre an. 2015 ließ ich mich überreden, den Grünen aus seinem Schlaf zu erwecken und auf der Messe in Friedrichshafen auszustellen. Er sollte dort als künftiges Restaurierungsobjekt dem RS von Toni Feßler– bekanntlich ein Auto im Topzustand – gegenübergestellt werden.

Dafür wurde das Fahrzeug aus seinem Stellplatz geholt, alle schon abmontierten Teile wie Stoßstangen oder Scheinwerfer wieder montiert. Das Fahrzeug wurde gereinigt, es sollte kein verstaubter Scheunenfund sein. Mit dem Vinyldach gab sich mein Freund Joachim besonders viel Mühe, es sah nach dieser Reinigungsaktion aus wie neu. Auf der dreitägigen Messe war dieses doch sichtbar vom Zahn der Zeit angenagte Fahrzeug der Hingucker.

Ich bekam diverse Kaufanfragen, die ich aber alle dankend ablehnte. So wurde mir immer mehr bewusst, welches ultraseltene Fahrzeug ich besitze. Von Besuchen auf diversen Capri-Treffen und Nachfragen bei vielen befreundeten Capri-Fahrern bekam ich immer wieder die Antwort: Nein, ein I-er in dieser Ausstattungs- und Farbkombination ist nicht bekannt.

Im Laufe des letzten Jahres wurde mein Wunsch nach den geschilderten Erfahrungen und Rückmeldungen dann immer stärker, diesen Capri wieder zum Leben zu erwecken. Dieser Weg wurde 2020 begonnen. Davon berichte ich in der nächsten Ausgabe der Capri aktuell. So viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Viel Blech ging beim Trockeneisstrahlen verloren. Und das Fernsehen war auch noch dabei.“

Scheinwerfer und Blinker waren zwischenzeitlich bereits abgebaut.

Scheinwerfer und Blinker waren zwischenzeitlich bereits abgebaut.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun.

Für Joachim von Alten ging die Farbe 1971 „überhaupt nicht“.

Wolfgang Stein sieht das Hellgrün 67 mit deutlich mehr Wohlgefallen.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun. Für Joachim von Alten (links) ging die Farbe 1971 „überhaupt nicht“. Wolfgang Stein sieht das Hellgrün 67 mit deutlich mehr Wohlgefallen.

[Text & Fotos: Wolfgang Stein]


Beharrlicher Weg zum RS 2600

Von den Bildern aus der Mottenkiste in der letzten Ausgabe der Capri aktuell fühlte sich Manfred Borgert motiviert, nach Fotos aus den frühen Zeiten seiner Capri-Leidenschaft zu suchen. Mit großem Erfolg, viele schöne Aufnahmen hat er zu bieten. Diese können wir hier nun zeigen.

„Als jugendlicher Fan fieberte ich meinem ersten Capri entgegen. Es wurde ein roter 1700 GT, den ich mir dann nach mühseligem Sparen Ende 1975 kaufte. Dieser wurde dann zusammen mit meinem Vater ´aufbereitet´. Es sollte ein Capri mit der blau/weißen 73er Rennlackierung werden. Wir nahmen diverse Änderungen vor. Das Auto bekam die V6-Haube mit dem Powerbuckel, kurze selbst gebaute Stoßstangen mit Blinker, Doppelscheinwerfer, RS-Frontspoiler und RS-Embleme, einen großen Heckspoiler und noch einiges mehr. Angemeldet habe ich ihn dann im Frühjahr 1976, mit dem Kennzeichen NMS-RS 26.

Vom 1700 GT zur RS-Optik: Das erste Capri-Projekt Manfred Borgerts startete Ende 1975.

Vom 1700 GT zur RS-Optik: Das erste Capri-Projekt Manfred Borgerts startete Ende 1975.

Vom 1700 GT zur RS-Optik: Das erste Capri-Projekt Manfred Borgerts startete Ende 1975.

Vom 1700 GT zur RS-Optik: Das erste Capri-Projekt Manfred Borgerts startete Ende 1975.

Vom 1700 GT zur RS-Optik: Das erste Capri-Projekt Manfred Borgerts startete Ende 1975.

Mein zweiter Capri, ebenfalls ein 1700 GT, wurde in Rot mit mattschwarzer Haube lackiert und wieder optisch auf RS 2600 getrimmt. Diesmal lautete das Kennzeichen NMS-E 26.

Beim dritten Auto der erste RS

Der dritte Capri war dann endlich der lang ersehnte RS 2600, in schönem Silber mit blauer Motorhaube. Das Auto war von 1971, ein RS der ersten Generation ohne Stoßstangen, mit dicken Zusatzscheinwerfern und Minilite-Felgen, allerdings wegen eines früheren Motorschadens nur mit einem 2 Liter V6 unter der Haube.

Es folgte schließlich ein RS mit dem korrekten Motor. Ein 73-er Modell, auch noch in meiner Traumausführung weiß mit blauer Motorhaube. Ich habe ihn geliebt, auch wenn es ein teures Vergnügen war.

Alles schon sehr lange Zeit her – im vergangenen Jahr habe ich mir noch einmal einen länger gehegten Wunsch realisiert. Nach langem Suchen bin ich wieder stolzer Besitzer eines 73-er RS 2600, der vom Vorbesitzer mit viel Liebe restauriert worden ist. Natürlich in weiß/blau.

Dann habe ich auch wieder die Nummernschildkombination ´RS 26´bekommen, er trägt nun WUR-RS 26H. Und der Frontspoiler leuchtet in signalrot.“

Dieser 1700 trug weiß und Chromstoßstangen, bis er „Sportklamotten“ bekam.

Dieser 1700 trug weiß und Chromstoßstangen, bis er „Sportklamotten“ bekam.

Dieser 1700 trug weiß und Chromstoßstangen, bis er „Sportklamotten“ bekam.

Der erste „echte“ RS, leider mit falschem Motor.

Der erste „echte“ RS, leider mit falschem Motor.

Der erste „echte“ RS, leider mit falschem Motor.

RS mit korrektem Triebwerk und dazu in der Traumkombination weiß mit blauer Haube.

RS mit korrektem Triebwerk und dazu in der Traumkombination weiß mit blauer Haube.

RS mit korrektem Triebwerk und dazu in der Traumkombination weiß mit blauer Haube.

Stand der Dinge seit 2019: RS und RS im Kennzeichen.

Stand der Dinge seit 2019: RS und RS im Kennzeichen.

[Text & Fotos: Manfred Borgert]


Der etwas andere Capri

Professionell in Szene gesetzt: Pünktlich zum eigenen 50. Geburtstag hat Andreas Spohrer seinen Capri fertiggestellt.

Professionell in Szene gesetzt: Pünktlich zum eigenen 50. Geburtstag hat Andreas Spohrer seinen Capri fertiggestellt.

„Ich stelle mich zunächst kurz vor. Mein Name ist Andreas Spohrer, 49 Jahre jung. Zum Capri bin ich dank einer Frau gekommen.

Am Nürburgring sind wir gemeinsam einst auf diesen Fahrzeugtyp aufmerksam geworden. Obwohl ich selbst aus der Kfz-Branche komme, hatte ich den Capri nie wirklich auf dem Schirm. Als ich dann aber erstmalig in einem solchen Auto gesessen habe, war es um mich geschehen. Diese geniale Form faszinierte mich.

Es musste ein breiter I-er sein

2010 kaufte ich einen 2,3 S, den ich nach und nach verbesserte. Irgendwann wuchs in mir der Wunsch einen breiten I-er zu besitzen. Aber zu kaufen gibt es kaum etwas. Also beschloss ich, ein Fahrzeug nach meinen Geschmack aufzubauen.

Kopfüber auf dem selbstgebauten Drehgestell: So lässt sich arbeiten.

Kopfüber auf dem selbstgebauten Drehgestell: So lässt sich arbeiten.

So erstand ich im September 2015 eine rollbare Karosserie, mit Türen und Kofferraumdeckel. Ohne Motor, ohne Getriebe, ohne Innenausstattung. Die Liste der fehlenden Teile war lang. So blickte ich in einen leeren Motorraum, aber dafür in einen Kfz-Schein voll wilder technischer Eintragungen. Der Capri hatte zweifelsohne schon allerhand erlebt.Nach und nach besorgte ich mir die notwendigen Teile und der Capri wurde auf ein selbstgebautes Drehgestell montiert. Hierbei konnten die Karosseriearbeiten sehr bequem durchgeführt werden.

Einen ganzen Sommer habe ich geschweißt, oft bis in die Nacht. Meine Nachbarn haben mich sicherlich für verrückt gehalten.

Anschließend wurde die Karosserie gestrahlt, grundiert und teilweise lackiert. Zugekaufte Teile habe ich probeweise montiert und angepasst. Zwischenzeitlich machte ich mir Gedanken über die Lackierung. Er sollte sich etwas von der Masse abheben, aber trotzdem zeitgenössisch sein. Ich entschied mich für ein klassisches Design mit neuer Farbkombination. Der Farbton ist Daytona-Gelb mit Weiss.

Vieles war krumm und schief

Die angebrachten Polyesterteile sollten meinen Lackierer noch vor eine große Herausforderung stellen. Als ich den Capri ablieferte, schlug er einigermaßen entsetzt die Hände über den Kopf zusammen. Vieles war nämlich krumm und schief, daher verbrachte der Capri erstmal ein halbes Jahr unbeachtet in der Ecke.

Andreas Spohrer packte über insgesamt fünf Jahre hinweg richtig an.

Andreas Spohrer packte über insgesamt fünf Jahre hinweg richtig an.

Zahlreiche Modifikationen

Erst nach einem Vier-Augen-Gespräch gab er sich endlich einen Ruck und ging das Projekt an. Nach weiteren drei Monaten konnte ich die jetzt lackierte Karosse abholen. Während der Capri-Abstinenz bereitete ich viele Teile vor und so war das Auto innerhalb von vier Monaten zusammen gebaut. In dieser Zeit der Restauration konnte ich mein Wissen über Capris vertiefen und ich habe einiges dazugelernt. Arbeiten, die ich früher nicht angegangen bin, erledige ich nun wie selbstverständlich. Man muss sie nur einmal angehen und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Ich pflanzte einen modifizierten 2,8-er Motor mit drei 40-er Weber-Vergasern ein. Der Ansauggeräuschdämpfer ist eine Eigenkonstruktion. Immerhin sollte der TÜV auch seinen Segen geben.

Gaaaanz vorsichtig kommt der modifizierte 2,8-er an seinen Platz.

Nicht nur optisch ein Schmuckstück.

Nicht nur optisch ein Schmuckstück.

Gaaaanz vorsichtig kommt der modifizierte 2,8-er an seinen Platz. Nicht nur optisch ein Schmuckstück.

Geschaltet wird mit einem Fünfgang-Getriebe. Eine Servolenkung für die dicken Pneus musste es außerdem sein. Diese fanden in der Dimension 235/60/13 auf den BBS E30 Felgen ihren Platz.

Extra angefertigte Oldtimersitze der Firma König sorgen für ausreichend Sitzkomfort. Vorne ist ein Gewindefahrwerk mit Konistoßdämpfern und hinten sind Einblattfedern mit Spaxstoßdämpfern verbaut. Beide Stoßdämpferpaare sind von außen einstellbar.

Ich fahre, so lange ich kann!

Zu Beginn dieser Restauration war mein Wunsch, den Capri zu meinem 50. Geburtstag fertig in der Garage stehen zu haben. Das hat funktioniert, Ende August dieses Jahres hatte ich Geburtstag.

Die Restauration dauerte fast fünf Jahre. Als ich damit angefangen habe, wusste ich, was mich erwartet. Neben viel Geld ist auch ein enormes Durchhaltevermögen gefordert.

Das nun montierte Dreispeichen-Lenkrad weist eine Turbo May-Prägung auf. „Ein Originalteil. Ich hatte dies von einem Bekannten, der hier bei mir im Ort eine kleine Werkstatt hat, bekommen. Er hat mir erzählt, dass er es aus einem VW Käfer demontiert hat. Ich habe zwar keinen Turbo May, aber dieses Lenkrad ist sehr selten. Anfang der 70 er sind davon sicherlich nur ein paar aus dem Zubehörprogramm verkauft worden. Daher habe ich es montiert und es gefällt mir sehr“, sagt Andreas Spohrer.

Das nun montierte Dreispeichen-Lenkrad weist eine Turbo May-Prägung auf. „Ein Originalteil. Ich hatte dies von einem Bekannten, der hier bei mir im Ort eine kleine Werkstatt hat, bekommen. Er hat mir erzählt, dass er es aus einem VW Käfer demontiert hat. Ich habe zwar keinen Turbo May, aber dieses Lenkrad ist sehr selten. Anfang der 70 er sind davon sicherlich nur ein paar aus dem Zubehörprogramm verkauft worden. Daher habe ich es montiert und es gefällt mir sehr“, sagt Andreas Spohrer.

Ich bin jetzt froh, dass die Arbeit geschafft ist. Autos werde ich wieder restaurieren, aber nicht mehr solch große Baustellen. Diesen Capri fahre ich solange ich kann!

Ich möchte mich bei allen, die mir bei meinem Projekt geholfen haben bedanken. Besonderen Dank an meine Freunde Nathalie, Andreas, Marco, Volker, Ralf und Zoltan. Bis dann, wir sehen uns sicherlich bald auf einem Treffen.“

[Text & Fotos: Andreas Spohrer]


Walter Röhrl fährt wieder Capri

Als „Gott hinter dem Lenkrad“ feierte ihn der Stern vor einigen Jahren. Und womit? Mit Recht! Der mittlerweile 73-jährige Walter Röhrl ist die Rallyefahrerlegende schlechthin. Mit den verschiedensten Fahrzeugen unterschiedlicher Marken sorgte der Regensburger für Furore. Ganz zu Beginn seiner sagenhaften Laufbahn auch im Capri.

Mit dem legendären Audi quattro ist sein Name wohl am stärksten verbunden. Den Allradler jagte er etwa 1987 beim Pikes Peak International Hill Climb in einer Fabelzeit den Berg hinauf. Für die 19,99 Kilometer lange Bergstrecke auf den Gipfel des Pikes Peak hinauf benötigte er in einem rund 600 PS starken Sport quattro S1 auf einem damals noch mit einer durchgängig unbefestigten Fahrbahndecke versehenen Weg 10:47,85 Minuten. Er war damit der erste Fahrer, der auf dieser Strecke mit einer Laufzeit von unter elf Minuten siegte.

Zweifacher Rallye-Weltmeister

Auch die beiden Epochen bei Opel (Ascona A und B) und der erste von zwei WM-Titeln mit dem Fiat 131 Abarth stehen groß in den Geschichtsbüchern, außerdem fuhr „der Lange“ Porsche und Lancia. Und eben Capri.

Genau dieses Auto nimmt er im kommenden Jahr wieder unter seinen feinfühligen Gasfuß. Aus einem großen Anlass. Die eigentlich für dieses Jahr vorgesehene 43. Ausgabe der Internationalen Rallye Wiesbaden fällt aufgrund der Corona-Krise aus. Als neuen Termin haben sich die Organisatoren den Zeitraum 27. bis 29. Mai 2021 ausgeguckt.

Bei der „Wiesbaden“ vor dann 50 Jahren hat Walter Röhrl den Gesamtsieg errungen und somit damals die A-Lizenz zur Teilnahme an internationalen Veranstaltungen. Der Beginn einer beispiellosen Karriere. Er hat bereits zugesagt mit einem Ford Capri 2600 RS - und zwar exakt mit seinem damaligen Siegerauto- teilzunehmen.

Röhrls Laufbahn im Rallyesport begann 1968 mit der Teilnahme an der Bavaria-Rallye auf einem Fiat 850 Coupé. Beifahrer war Herbert Marecek. Das Fahrzeug schied mit einem gebrochenen Lichtmaschinenbügel aus.

In den Jahren 1969 und 1970 starteten Röhrl/Marecek bei insgesamt fünf Rallyes. Als Fahrzeuge dienten hierbei ein BMW 2002 ti, ein Alfa Romeo 1750 GT Veloce sowie ein Porsche 911 S, allesamt privat eingesetzt.

Walter Röhrl und Herbert Marecek während der „Wiesbaden“ 1971.

Walter Röhrl und Herbert Marecek während der „Wiesbaden“ 1971.

In den Saisons 1971 und 1972 konnten Röhrl/Marecek den Sport semi-professionell ausüben, durch ein Engagement im Ford-Team des Hamburgers Ernie Kleint. Stammfahrer dort war Jochi Kleint, der Bruder des Team-Managers. Wie Röhrl einmal in einem Interview erzählte, war ihm ein entsprechender Vertrag vom Ford-Motorsportchef Mike Kranefuß angeboten worden. Die Fahrergage betrug 250 D-Mark jährlich, was Röhrl als Karrieresprung wertete, musste er doch fortan für die Teilnahme nicht mehr bezahlen.

Bei Kleint absolvierten Röhrl/Marecek auf dem RS die Deutsche Meisterschaftssaison 1971 mit der Teilnahme an elf Läufen und dem dritten Platz in der Meisterschaft. Weiterer herausragender Erfolg war in diesem Jahr der erwähnte Gesamtsieg bei der Rallye Wiesbaden, die zur Deutschen Meisterschaft, aber auch zur Rallye-Europameisterschaft zählte.

Als persönlichen Durchbruch bezeichnet Walter Röhrl die Teilnahme an der Olympia-Rallye im August 1972. Diese führte vor der Eröffnung der Sommerspiele von den Olympiastädten Kiel (Segel-Regatten) nach München (restliche Wettbewerbe). Mit Co-Pilot Johann Rothfuß hatte er lange gegen damals etablierte Fahrer wie Bernard Darniche, BMW-Ass Achim Warmbold, den Finne Hannu Mikkola im Ford Escort und Jean-Pierre Nicolas geführt.

„Für die damalige Zeit war der Capri ein großes Auto. Er neigt kaum zum Untersteuern. Das Übersteuern ist leicht zu kontrollieren, auch dank des großen Lenkeinschlags und weil der Radstand so lang ist“, so Röhrl 2016 in einem Interview mit auto motor sport (ams). Driftgenuss ohne Reue also? Röhrl strahlte bei der Antwort: „Ja. Ich habe oft durch die Seitenscheibe auf die Straße geschaut.“ Überhaupt sei es erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln damals tolle Rallyeautos gebaut wurden. „Hinten hat der Capri ja bloß eine Starrachse mit Blattfedern“, wundert sich Röhrl. „Und am Fahrwerk haben wir die ganze Rallye über nichts verändert, egal ob es auf die Rennstrecke ging oder über brutalsten Schotter. Wir haben bloß die Räder gewechselt.“

Die vier Tage im gelb-blauen Capri haben Röhrls Leben verändert, obwohl es kein Happy End gab. Ausgerechnet in heimatlichen Gefilden, auf der Anfahrt zur Wertungsprüfung auf der Sandbahn im niederbayerischen Plattling, machte der Motor komische Geräusche. „Ein Pleuellager war kaputt. Wir haben aufgehört, bevor’s ihn ganz zerreißt. Wir sind da in Führung gelegen, 14 Sekunden vor Darniche. Das war schon bitter. Aber für meine Karriere war die Olympia-Rallye trotzdem ein Raketenstart“, so Röhrl vor vier Jahren bei ams.

Walter Röhrl und der Capri RS - dies sollte man sich für kommendes Jahr dick im Kalender eintragen. Weitere Infos gibt es im Netz unter www.rallye-wiesbaden.com.

[Text: Marc Keiterling - Foto: Wiesbadener Autoclub]