Drei Capri präsentierte der CCD auf dem Ford-Gemeinschaftsstand bei der „Retro Classics“ im April in Essen.

Drei Capri präsentierte der CCD auf dem Ford-Gemeinschaftsstand bei der „Retro Classics“ im April in Essen.

Mit ihrer Premiere vom 8. bis 12. April in der Messe Essen hat die „Retro Classics“ als Nachfolgerin der „Techno Classica“ nach eigenem Bekunden eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das Konzept am Standort Essen trägt. Ein anderer Gedanke, frei nach einem Lied von Herbert Grönemeyer, könnte lauten: „Bleibt alles anders“.

Eine Erstveranstaltung ist selbstverständlich auch mit Lernprozessen verbunden – entsprechender Optimierungsbedarf ist weder ungewöhnlich noch überraschend. Umso entscheidender ist der Blick auf das Gesamtbild. Dieses fällt nach Auswertung erster Rückmeldungen des Veranstalters positiv aus.

Wir vom CCD waren wie in den letzten Jahren Teil eines Gemeinschaftstands verschiedener Ford-Clubs. In Halle 5 konnten wir drei Capri präsentieren. Der dem CCD angehörende Capri Club Remscheid baute einen eigenen Stand in unmittelbarer Nachbarschaft auf.

Zunächst war die Idee, ein Sondermodell Capri 280 „Brooklands“ aus der letzten Produktionsserie in Köln, die bis 19. Dezember 1986 nur noch als Rechtslenker für den englischen Markt gebaut wurde, zu organisieren. In Deutschland konnten wir ein solches Fahrzeug jedoch nicht ausfindig machen und die Überführung eines solchen Fahrzeugs der englischen „Capri 280 Group“, stellte sich als zu kostenintensiv heraus.

Autos von Greb, Igel und von Alten

Über die Zusage von Carsten Greb, seinen III-er Mako V8 auf der Messe zu präsentieren, haben wir uns umso mehr gefreut. Als weiteren Messe-Capri konnten wir den Dreiliter II-er von Ralf Igel, der in Lippstadt die Oldtimer Klinik betreibt, gewinnen. Dieser Capri war noch ein Jahr zuvor auf einem eigenen Stand auf der Techno Classica - in Restauration befindlich - zu bewundern. Mit dem individualisierten I-er RS 2600 – rundverbreitert mit Vinyldach und Breitreifen mit Weißwand – von Joachim von Alten war das Retro Classics Line-Up des CCD komplett. Den RS brachte Wolfgang Stein auf dem Hänger aus der Ammerseeregion ins Ruhrgebiet.

Wolfgang Stein: „Mein Eindruck war, dass an allen Messetagen deutlich weniger Besucher da waren als im Vorjahr. Es fing schon mit dem Mittwoch an, der war sehr verhalten. Donnerstag dann etwas mehr Besucherfrequenz, am Freitag blieb aber die deutlich höhere Besucherzahl, wie sie 2025 zu erleben war, aus. Am Samstag und Sonntag war dann auch kein Ansturm der ,Kinderwagenfraktion‘, also der Familien, die nur zum ,Schauen‘ kommen, zu verzeichnen.

Erkennbar waren deutlich weniger Aussteller als 2025 dabei. Die Flächen wurden großzügig zugeteilt, einige bekamen mehr Raum als vorher bestellt. Auch Leerstände waren sichtbar, sogar in unserer ,Clubhalle‘. Vom CCD waren auch deutlich weniger Mitglieder als Besucher auf der Messe, es gab meines Wissens auch keinerlei Anfragen für vergünstigte oder gar kostenlose Eintrittskarten. Ich habe persönlich folgende Mitglieder begrüßt: Hans-Peter Wolf, Peter Schulten, Jörg Schilling, Guido Verse, Ralf Geisler, Pascal Bock, Gerd Niederberger und Reinhard Förster.“

Preis für die Remscheider Kollegen

Insgesamt präsentierten sich über 120 Clubs, Interessengemeinschaften und Vereine in drei Hallen und unterstrichen damit die Vielfalt und das Engagement innerhalb der Klassikszene. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurden die eindrucksvollsten Clubpräsentationen ausgezeichnet.

Die Auswahl der Gewinner erfolgte durch eine unabhängige Jury. Im Rahmen der Siegerehrung war dann klar, dass der Capri Club Remscheid mit seinem Bau einer Start-/Zielgeraden auf dem eigenen Stand das Rennen gemacht hatte. Dabei freuten sich die Kollegen über ein Preisgeld von 1000 Euro und verwiesen die IG T3 mit IG 16 Zoll sowie die 1. Original Golf I IG auf die Plätze.

Die früheren Zeiten sind vorbei

Was festzuhalten ist: mit den Messen, die in Essen zur Jahrtausendwende stattfanden, hat die heutige Veranstaltung nicht mehr viel gemein. Einst war die „Techno Classica“ unter anderem geprägt von teilweise sehr kreativen Auftritten engagierter Clubs auf der einen Seite. Von einem starken Engagement verschiedener Hersteller auf der anderen Seite.

Der Capri Club Remscheid gewann mit einer Start-/Zielgeraden den ersten Preis bei der Wahl der besten Clubpräsentationen.

Der Capri Club Remscheid gewann mit einer Start-/Zielgeraden den ersten Preis bei der Wahl der besten Clubpräsentationen.

Der Capri Club Remscheid gewann mit einer Start-/Zielgeraden den ersten Preis bei der Wahl der besten Clubpräsentationen.

Man denke nur zurück an die Zeit, als der Volkswagen-Konzern eine ganze Halle belegte und sich dort neben VW auch Porsche oder Skoda in aufwändigen Messebauten präsentierten. Stets dicht umlagert von einem zahlreichen Publikum, welches sich außerdem an vielen Fahrzeugen auf den Freiflächen erfreute. Ganz zu schweigen von Oldtimern, die auf Torten thronten, durch Reifen sprangen oder in liebevoll gestalteten Dekorationen parkten.

Davon ist wenig geblieben, was hier nicht der „Retro Classics“ angelastet werden soll. Es wird offenbar schlicht nicht mehr viel investiert. Von Herstellern ohnehin nicht. Und auch die einstigen Enthusiasten scheinen spürbar in die Jahre gekommen zu sein. Und wenn sich ein Konzern engagiert, muss der Oldtimerfreund die Kröte unpassend in einer Klassikermesse herumstehender Neuwagen schlucken. Zu sehen war dies bei Opel.

Der Veranstalter berichtete für 2026, dass das zentrale Zielpublikum der Veranstaltung – fachlich interessierte Besucher, Sammler sowie Akteure der Klassik- und Youngtimer-Szene – erreicht wurde. Diese Kernzielgruppe sei über alle Messetage hinweg präsent gewesen und habe durch intensiven Austausch sowie konkrete Nachfrage das inhaltliche Profil der Veranstaltung maßgeblich bestätigt und geprägt. Mit einem internationalen Besucheranteil von 16 Prozent und Gästen aus 51 Ländern habe die Messe zudem ihre internationale Relevanz unterstrichen.

Beeindruckend war die Integration von Bussen und Lastkraftwagen. Gefährte der zu sehenden Größenordnung hat so mancher Besucher wohl noch nie bestaunen können.

Das klassische, breit interessierte Laufpublikum mit Affinität zur Fahrkultur blieb allerdings gerade am Wochenende hinter den Erwartungen zurück, wie auch die „Retro Classics“ freimütig einräumte.

Die Preise stießen vielen übel auf

Diese Besuchergruppe ist jedoch für die Gesamtattraktivität und Reichweite der Veranstaltung von großer Bedeutung und werde - auch unter Berücksichtigung aktueller Rezessionseinflüsse - für zukünftige Ausgaben wieder stärker adressiert. Insgesamt konnten zur Premiere laut Veranstalter 65.500 Besucher begrüßt werden. 2025 wurden noch rund 190.000 Tickets ausgestellt.

Stichwort Rezessionseinflüsse: auch ohne die derzeitige Situation sollten die Messe Essen und die „Retro Classics“ ihre Tarife überprüfen. Ein Tagesparkausweis für 18 Euro sowie eine Einzelkarte an der Tageskasse für 29 Euro stieß vielen Besuchern übel auf.

Die zweite „Retro Classics Essen“ findet vom 14. bis 18. April 2027 statt. Es wird spannend, allein schon vor dem Hintergrund der zu stemmenden Kosten. Stand heute wird ein Teppich erwartet, jedoch nicht mehr finanziert. Ford hat sich komplett aus der Unterstützung verabschiedet. Auch das Interesse unter unseren Mitgliedern, auf dem Ford-Stand den CCD aktiv zu vertreten, hat spürbar nachgelassen. Die Frage nach einem weiteren Engagement wird aktuell diskutiert.

Im Anschluss an Essen geht dann die „Retro Classics Stuttgart“ vom 29. April bis 2. Mai 2027 über die Bühne.

Augenblicke aus Essen.

Augenblicke aus Essen.

Augenblicke aus Essen.

Augenblicke aus Essen.

[Text: Marc Keiterling, Wolfgang Stein & Tim Willenweber - Fotos: Marc Keiterling]

Capri MK I [Bj. 68 - 73]

Capri MK I

Capri MK II [Bj. 74 - 77]

Capri MK II

Capri MK III [Bj. 78 - 86]

Capri MK III