Das Jahr 2019 stand voll im Lichte des 50. Geburtstags unseres schönen Familiencoupés – dem Ford Capri. Aus diesem Anlass fanden nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen europäischen Staaten zahlreiche Capri-Treffen statt. Also hin!

Auf der Herbstsitzung 2018 des CCD in Kirchheim wurde mir bekannt, dass es auch auf der Insel, beim British Motor Museum in Gaydon, ein Treffen geben wird. Das Lagebild wurde von einigen Enthusiasten verdichtet und so fand sich letztendlich eine kleine Schar zusammen, die dieses Abenteuer angehen wollte. Elke Hermanowicz und Heinz Arndt aus dem Raum Köln-Bonn und wir, Constanze und Guido, aus dem Berliner Raum. Der Weg ist das Ziel und so trafen wir uns in einem kleinen niederländischen Örtchen, abseits der Autobahn, um gemeinsam die Fahrt fortzusetzen.

Neben einer niederländischen Autobahn trafen sich die Capris aus den Regionen Berlin und Köln/Bonn.

Neben einer niederländischen Autobahn trafen sich die Capris aus den Regionen Berlin und Köln/Bonn.

Der Ersatzschlüssel im Kofferraum

Erstes Etappenziel sollte der Fährhafen von Hoek van Holland werden, um dort die Capris und ihre Besatzungen auf die „Stena Hollandica“ einzuschiffen. Dieses klappte tadellos und nach dem Beziehen der Kabinen trafen wir uns im Restaurant und der angrenzenden Bar, um uns für die weitere Fahrt zu stärken und die nötige Bettschwere von Menschenhand mit diversen Drinks herbeizuführen. Der Plan ging auf, wenig überraschend…

Nach einer ruhigen Seefahrt wurden die Fahrzeuge am nächsten Morgen im Fährhafen von Harwich entladen. Es folgte eine unkomplizierte Einreisekontrolle nach der wir uns entschieden, zunächst einige Kilometer herunter zu spulen, um dann nach etwa einer Stunde Fahrt an den „Beaconsfield Services“ erstmal eine Pause mit „typical british breakfast“ einzulegen. Froh gelaunt wurden die Fahrzeuge abgestellt und man machte sich darauf aufmerksam, den Schlüssel bloß nicht im Auto zu vergessen. Zu spät - „Klonk“, eine Fahrertür schnappte zu und das Teil steckte noch im Zündschloss. Na toll, aber das Team hat einen Ersatzschlüssel dabei (Jubel) - im Kofferraum (Grrr). Also erstmal Frühstücken und über Optionen nachdenken, wie die Weiterfahrt doch noch gelingen kann.

Schnelle Lösung, wir CCD’ler sind im ADAC und Dank der ADAC-Auslands-App hat man schnell Verbindung zur deutschen Hotline, die per GPS die eigene Position geortet hatte und einen Helfer des britischen Partnerclubs Automobile Association (AA) organisierte. Dessen Vertreter rückte mit „professionellem Einbruchwerkzeug“ an und nach rund zwei Stunden konnte die Fahrt ins Glück weiter fortgesetzt werden. Welches Paar aus dem Team betroffen war, wird nicht verraten.

Schließlich erreichten wir unser Bed&Breakfast in Gaydon. Zwei Paare, zwei Zimmer und alles von zu Hause generalstabsmäßig vorbereitet. „Denkste Puppe!“ Der eine Teil des Teams war eingebucht, der andere nicht.

Das Zimmer ist 120 Meilen entfernt

Nach gemeinsamer Internetrecherche mit unserem „Gastvater“ Richard stellte sich heraus, dass ein weiteres B&B namens „Redlands Farm“ im 120 Meilen entfernten Staffordshire existiert und, ja dort stand ein Zimmer bereit.

Über den Kanal ging es auf einer Fähre mit dem wohlklingenden Namen „Stena Hollandica“.

Über den Kanal ging es auf einer Fähre mit dem wohlklingenden Namen „Stena Hollandica“.

Nicht nur von der britischen Insel stammten die in Gaydon ausgestellten Capris.

Nicht nur von der britischen Insel stammten die in Gaydon ausgestellten Capris.

Dank Richard konnte diese Fehlbuchung storniert werden. Aber was nun? Es war nur noch ein Zimmer für eine Nacht vorhanden und trotz Bemühungen von Anni und Richard konnte kein anderes B&B für mehrere Tage gefunden werden. Tja, die Beiden hatten schnell gespannt, dass wir vier uns super verstehen und so tat sich zu unserem Glück doch noch eine Möglichkeit auf: das Familienzimmer.

Ausgezeichnete britische Küche

Mit zwei separaten Schlafräumen waren wir nun gut versorgt, um endlich in den Erholungsmodus zu schalten. Ach ja, welches Pärchen vom Missgeschick betroffen war, wird auch diesmal nicht verraten. Im örtlichen Pub sprachen wir dann reichlich dem Bier und Cider zu und speisten ausgezeichnet – entgegen der allgemeinen Ansichten über die britische Küche.

Das Treffen fand am Samstag und Sonntag statt, wobei der Sonntag als Tagestreffen aller Ford-Oldtimer den Höhepunkt darstellte. Wer nicht in einer festen Unterkunft übernachten wollte, konnte dies mit Zelt oder Wohnwagen am Veranstaltungsgelände machen. Abweichend von den Party-Treffen auf dem europäischen Festland, weisen die Treffen in England eher einen Show-Charakter auf. Somit ist auch zu erklären, dass es einen Ansprechpartner für die Capri-Fahrer vor Ort gab, aber ein Bier oder eine Pommesbude beziehungsweise Grill waren am Freitag und Samstag nicht vorhanden.

Das abendliche Treffen am Samstag konnten wir leider nicht wahrnehmen, da es den Unterlagen zur Veranstaltung nicht zu entnehmen war und wir keinen Hinweis erhielten. Aber man traf sich auf eine Kaltschale mit anderen Capri-Aktivisten, die auch den Weg in den uns bereits bekannten Pub schafften.

Klasse gewählt war der Veranstaltungsort, das British Motor Museum. Es besteht aus einer tollen Sammlung zur britischen Fahrzeuggeschichte, die sehr anschaulich und interessant gestaltet ist. Auch für „Technik-Muffel“ gut.

Der Cortina - ein britischer Ford. Das seltene Cabrio fertigte Crayford Engineering.

Der Cortina - ein britischer Ford. Das seltene Cabrio fertigte Crayford Engineering.

Neben dem eigentlichen Museum befindet sich in einem weiteren Gebäude eine Sammlung des Autoherstellers Jaguar, die neben den eigenen Modellen zahlreiche Exponate anderer zum Teil nicht mehr existenter britischer Hersteller enthält. Es wurden auch Einblicke in die Werkstatt des Museums gewährt. Ferner befinden sich direkt neben dem Museum die Automobilfabriken von Jaguar und Aston Martin.

In Großbritannien Flagge für den Capri Club Deutschland gezeigt: Elke, Heinz, Constanze und Guido (von links).

In Großbritannien Flagge für den Capri Club Deutschland gezeigt: Elke, Heinz, Constanze und Guido (von links).

Viele Autos vom Kontinent

Am Sonntag mussten Constanze und ich wieder in Richtung Heimat aufbrechen, so war es an Elke und Heinz, vor Ort die Fahne des CCD hoch zu halten. Am Veranstaltungsplatz fanden sich die unterschiedlichsten Ford Oldtimer ein und auch andere Oldies waren gern gesehen. Es gab nun auch eine Imbissbude und die Benzingespräche vom Samstag konnten jetzt auch mit ein paar Briten fortgesetzt werden. Neben den Capris der englischen Hausherren waren welche aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz vor Ort und der Kontinent damit gut vertreten.

Unbenommen von der anderen Art des Capri-Treffens in Gaydon sind wir der Ansicht, dass sich die weite Fahrt gelohnt hat. Leider war die Zeit zu knapp, um die Gegend ausführlicher zu erkunden. Unweit von Gaydon liegen historische Städte wie Coventry und Oxford, ferner lädt die Landschaft zu Ausflügen ein. „Brexit“ hin oder her: auf die Insel gerne wieder!

'Ich brauche Luft!' Dieses Exemplar verursacht Schnappatmung.

„Ich brauche Luft!“ Dieses Exemplar verursacht Schnappatmung.

[Fotos: Heinz Arndt & Guido Heisner]