Was Scheunen in der Ammersee-Region so alles beherbergen...

Was Scheunen in der Ammersee-Region so alles beherbergen...

„2020 ist es 30 Jahre her, als ich folgenden Hinweis von einer ehemaligen Arbeitskollegin erhielt: ´Der Freund meines Vaters gibt seinen Capri her. Hast du Interesse? Du sammelst doch so etwas´.

Natürlich hatte ich Interesse! Mein erstes Auto war von 1981 bis 1984 ein I-er. Ein 1500-er in der Farbe Dark Burgundy. Den verkaufte ich zugunsten eines III-ers 2,3 S. Doch schon damals hatte ich den Wunsch, irgendwann mal wieder einen I-er zu haben. In den vielen Jahren habe ich diverse weitere Capris besessen, viele von euch kennen mich sicherlich in erster Linie in Verbindung mit meinem aktuellen roten 2,8i. Auf die ganzen anderen Fahrzeuge möchte ich hier nicht weiter eingehen, im Fokus dieser Story soll das Angebot von 1990 stehen.

...wird sichtbar, wenn Langzeitschläfer aufgeweckt werden.

...wird sichtbar, wenn Langzeitschläfer aufgeweckt werden.

Hellgrün 67:: Kracher oder Krepierer

So ging die Geschichte also weiter. Ich fuhr nach dem Tipp zum vereinbarten Treffpunkt. Dort konnte ich folgendes besichtigen: Capri I, 2000 GT XLR, ausgestattet mit allen nach damaliger Preisliste möglichen Extras zusätzlich zum Paket GT XLR. Lediglich ein Schiebedach fehlt. Die Farbe: Hellgrün 67! Dieser Knallerton polarisiert. Je nach Geschmack ist das entweder ein Kracher oder ein Krepierer. Kalt lässt das vermutlich keinen Betrachter.

Ich überlegte kurz, doch einen Capri in dieser Farbe hatte ich bis dato noch nicht gesehen. Anfang 1990 kaufte ich für kleines Geld den Wagen. Die Hauptuntersuchung war 12/89 abgelaufen, die Reparatur für den Vorbesitzer zu kostenintensiv. Das Fahrzeug war komplett mit Schlüsseln 2-fach, Metallplättchen mit Schlüsselnummer, Bedienungsanleitung und Ford-Serviceheft und nur circa 105.000 gefahrenen Kilometern in 18 Jahren.

Ich lernte dann vor rund zwölf Jahren meinen Freund und Capri-Kollegen Joachim von Alten während der Messe Techno Classica in Essen kennen. Lustigerweise wohnte er gerade einmal zwei Ortschaften von mir entfernt, trotzdem sind wir uns hier in der Ammersee-Region zuvor nie begegnet. Bei Gesprächen mit Joachim über unser Lieblingsthema und die eigenen Autos wurde er hellhörig, als ich ihm von dem grünen I-er erzählte. Den wollte er dann schnellstmöglich sehen und es stellte sich heraus: er kennt das Auto. Sachen gibt’s!

Damals im Vorführwagen

Joachim wollte sich 1971 in jungen Jahren einen Capri kaufen und hat just bei der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug meinen Grünen beim damaligen Ford-Händler Knoll in Stockdorf im Landkreis Starnberg entdeckt. Hat im Auto auch probegesessen. Doch diese Signalfarbe ging für ihn seinerzeit mal überhaupt nicht.

Die Bekanntschaft von Joachim mit dem Grünen belegt klar der Aufkleber des Autohauses auf dem linken Kotflügel und der erste Haltereintrag. Der Wagen wurde in Köln im April 1971 gebaut und am 22. Juni auf den Besitzer des Autohauses als Vorführwagen mit dem Kennzeichen STA-T 777 zugelassen.

Das Autohaus Knoll lieferte 1971 aus.

Das Autohaus Knoll lieferte 1971 aus.

Es tun sich Öffnungen auf.

Es tun sich Öffnungen auf.

Der Capri fand im Juli 1971 einen Käufer und wurde von diesem dann am 13. Juli umgemeldet. Dieser fuhr den Wagen intensiv bis Frühjahr 1973 und verkaufte ihn dann nach Gauting, eine Nachbarortschaft vom ursprünglichen Händler Knoll. Der Kilometerstand betrug zu diesem Zeitpunkt etwa 50.000 Kilometer, die Ummeldung erfolgte am 21. Mai 1973.

2015 erfolgt eine Hängerausfahrt zur Messe nach Friedrichshafen, wofür eigens andere Räder montiert wurden.

2015 erfolgt eine Hängerausfahrt zur Messe nach Friedrichshafen, wofür eigens andere Räder montiert wurden.

Auf der Messe in Friedrichshafen stahl der marode 2000-er dem topgepflegten RS beinahe die Show.

Auf der Messe in Friedrichshafen stahl der marode 2000-er dem topgepflegten RS beinahe die Show.

Dieser neue stolze Besitzer hegte und pflegte den Wagen bis in die Mitte der 80er Jahre. Es wurde dann wegen Rost mal der rechte Kotflügel erneuert, im Motorraum zwei Bleche eingeschweißt, der linke Kotflügel und beide Radläufe hinten wurden mit Polyestermatten und Spachtelmasse kunstvoll ´TÜV-konform´modelliert. So überstand der Capri die nächsten zwei Hauptuntersuchungen 1985 und 1987.

Bei der nächsten Kontrolle im Dezember 1989 waren dann aber die Spachtelkünste nicht mehr plakettenwürdig und der Besitzer entschloss sich beim Kilometerstand von nun circa 105.000 Kilometern zur Trennung. So kam ich über die Mund-zu-Mund-Info an den Capri, den ich nach kurzer Besichtigung einen Tag später beim Vorbesitzer abholte.

Meine Neuerwerbung wurde dann mit meinen damals weiteren diversen Capri I und III in Scheune eins untergestellt, musste dann in Scheune zwei umziehen um schließlich in Scheune drei, auf einem früheren Bauernhof in meinem Heimatort, zu landen. Die einzigen Bewegungen für lange Zeit.

Ein Messeauftritt und seine Folgen

So vergingen die 90er, die ´Nuller´und es brachen die 2010er Jahre an. 2015 ließ ich mich überreden, den Grünen aus seinem Schlaf zu erwecken und auf der Messe in Friedrichshafen auszustellen. Er sollte dort als künftiges Restaurierungsobjekt dem RS von Toni Feßler– bekanntlich ein Auto im Topzustand – gegenübergestellt werden.

Dafür wurde das Fahrzeug aus seinem Stellplatz geholt, alle schon abmontierten Teile wie Stoßstangen oder Scheinwerfer wieder montiert. Das Fahrzeug wurde gereinigt, es sollte kein verstaubter Scheunenfund sein. Mit dem Vinyldach gab sich mein Freund Joachim besonders viel Mühe, es sah nach dieser Reinigungsaktion aus wie neu. Auf der dreitägigen Messe war dieses doch sichtbar vom Zahn der Zeit angenagte Fahrzeug der Hingucker.

Ich bekam diverse Kaufanfragen, die ich aber alle dankend ablehnte. So wurde mir immer mehr bewusst, welches ultraseltene Fahrzeug ich besitze. Von Besuchen auf diversen Capri-Treffen und Nachfragen bei vielen befreundeten Capri-Fahrern bekam ich immer wieder die Antwort: Nein, ein I-er in dieser Ausstattungs- und Farbkombination ist nicht bekannt.

Im Laufe des letzten Jahres wurde mein Wunsch nach den geschilderten Erfahrungen und Rückmeldungen dann immer stärker, diesen Capri wieder zum Leben zu erwecken. Dieser Weg wurde 2020 begonnen. Davon berichte ich in der nächsten Ausgabe der Capri aktuell. So viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Viel Blech ging beim Trockeneisstrahlen verloren. Und das Fernsehen war auch noch dabei.“

Scheinwerfer und Blinker waren zwischenzeitlich bereits abgebaut.

Scheinwerfer und Blinker waren zwischenzeitlich bereits abgebaut.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun.

Für Joachim von Alten ging die Farbe 1971 „überhaupt nicht“.

Wolfgang Stein sieht das Hellgrün 67 mit deutlich mehr Wohlgefallen.

Bei der Restauration gibt´s einiges zu tun. Für Joachim von Alten (links) ging die Farbe 1971 „überhaupt nicht“. Wolfgang Stein sieht das Hellgrün 67 mit deutlich mehr Wohlgefallen.

[Text & Fotos: Wolfgang Stein]