Der Ford Capri – das Kult-Coupé aus Köln. Seine Formensprache damals etwas vollkommen Neues. Noch 50 Jahre danach, ein Herzensbrecher, wie am ersten Tag.

CAPRI-FANS SVENJA M. UND REINHOLD G. AUS FRANKEN
Svenja aus Oberfranken hat sich mit ihrem 2-Liter Capri vor sieben Jahren einen Traum erfüllt. Der desolate Zustand störte sie nicht. Sie liebt ihren Breitbau-Capri. Reinhold aus Unterfranken hatte in seinem Leben schon rund 70 Capri. Seinen ersten hat er als Einzigen behalten. Svenja und Reinhold kennen sich seit einem Capritreffen in Rosenheim. Dort hatte Svenja ihren neuerworbenen Autotraum damals präsentiert.

FORD-CAPRI FANCLUB AUS GELSENKIRCHEN
Geschraubt wird am Capri immer. Auch im Ruhrgebiet. In einer stillgelegten Industrieanlage in Gelsenkirchen hat sich der Capri Club eingerichtet. Einmal die Woche ist Schrauber-Tag. Solche Clubs entstanden früher, weil keiner das Geld für teure Reparaturen hatte. Zu Capri-Zeiten tat man sich zusammen. Gut wenn KFZ-Schlosser dabei waren, denn von denen konnten alle lernen. Das ist heute noch so.

FRANK L., CAPRI-FAN DER ERSTEN STUNDE
Seinen „Turbo May“ hat Frank L. aus Euskirchen zum Schraubertag mitgebracht, ein Auto für den ambitionierten Fahrer, hieß es damals im Prospekt. Mehr als 200 PS für schlappe 13.000 D-Mark. Deutschlands billigste PS jubelte die Fachpresse. Frank ist Capri-Fan der allerersten Stunde und besitzt sein Auto seit 20 Jahren. Er war 1969 bei der offiziellen Händlerpremiere dabei, in einem Autohaus in Köln. Die PS-Spritze für den Capri hatte sich ein Schweizer Tuningkünstler einfallen lassen. Als Bausatz zum Nachrüsten. Viele der auf diese Weise frisierten Capri haben nicht überlebt. Entweder landeten sie totgetreten auf dem Schrott oder wurden um den Baum gewickelt:

WALTER W. UND MARC K. AUF SPRITZTOUR MIT DEM CAPRI
Walter W., KFZ- Mechaniker im Vorruhestand hat sich mit Marc K. zur Ausfahrt verabredet, der seinen Dreier mitbringt, die letzte Generation des Kölner Kult-Coupés. Der Capri lief 18 Jahre lang vom Band, der wichtigste Konkurrent, der Opel Manta, schaffte auch nicht mehr. Die beiden Freunde haben etwas gemeinsam, beide besitzen noch ihren allerersten. Walter hat seinen Capri seit 1976. Marc hatte seinen im Sommer '87 gekauft, da war er nicht mal 18, mit 5000 Mark dem Sparkonto.

DER CAPRI – EIN ECHTER ERFOLGSTYP
In den ersten vier Produktionsjahren ab 1969 gelingt es kaum, mit der lebhaften Nachfrage Schritt zu halten. Der Capri bricht alle Rekorde, sogar die des meist geklauten Autos in Europa. Ob bodenständig wie ein Käfer oder mit dem Temperament eines Porsche: Der Capri passte perfekt in die Aufbruchstimmung der tempogeladenen Spät-Sechziger.

WOLFGANG S. UND SEIN 30-JAHRE-ALTER PROBLEMFALL
Den Capri hat Wolfgang S. schon seit 30 Jahren. Damals hatte er 300 Mark dafür bezahlt. Da sah der Capri genauso aus wie jetzt: ziemlich hinüber. Zehn Jahre stand er einsam auf einer Wiese. Der TÜV ist seit Dezember 89 abgelaufen. Nun soll der Wagen restauriert werden.

RENNSPORTASSE ROLAND A. UND DIETER G.
Rennsportlegenden Roland A. und Dieter G., zwei Schwaben, die in den Siebzigern die Konkurrenz auf den Rennpisten alt aussehen ließen. Roland hat seinen Super Capri mitgebracht, den 2,6 RS, das Nonplusultra in der Capri Welt. Dieses Auto ebnete Ford den Einstieg in den Motorsport. "Donnerbolzen" titelten die Blätter. Kein anderer hat mit dem RS so viele Trophäen abgeräumt wie Dieter G., auch bekannt als der Schwabenpfeil. Damals ist er für Ford ein Glücksfall. Zwischen 1959 und 1974 feierte er mehr als 100 Siege, auf klassischen Rallyes, bei Stundenrennen, im Tourenwagensport. 1974 beendet G. seine Motorsportkarriere. Für Capri Fans ist und bleibt er unsterblich.

DIE CAPRI-SAMMLUNG VON MICHAEL H.
Michael H. ist Capri-Experte. Aufgemotzte Capri, sein Ding seit er 18 ist. Vor allem in den Achtzigerjahren machten tiefergelegte Karosserien, fette Endrohre und breite Reifen aus schüchternen Alltags-Capris richtige Krawallmobile. Die entstanden meist als Eigenbau in der elterlichen Garage. Michael H. Capri-Sammlung ist eine der größten weltweit.

DAS FORD CAPRI-CABRIO
In den Siebziger Jahren schwappten Sicherheitsbedenken aus den USA nach Europa. Ford hatte in Amerika das Mustang Cabriolet abgeschafft. Da war klar, auch vom Capri wird es keine offene Variante geben. Wenn da nicht Karl D. gewesen wäre - ein früherer Kutschenbauer aus Köln. Die Firma verwandelte in Handarbeit Serienautos in edle offene Varianten.

Filmautor: Thorsten Link
Bildquelle: SWR
Ausstrahlung: 
Sonntag, 27. Dezember 2020 um 16.30 Uhr