Text & Fotos: Marc KeiterlingOnline seit: 20. September 2018

36 aus 95 – so lautete die Formel zum Besuch der Ford Classic Cars auf dem Werksgelände in Köln-Niehl. 95 Mitglieder des CCD hatten sich im Vorfeld um die 36 zur Verfügung stehenden Plätze beworben. Die Gewinner wurden im Rahmen des Capri-Teilemarkts im Mai in Gelsenkirchen ermittelt.

Treffpunkt Tor 3 am Freitagmorgen. Aus den verschiedensten Richtungen reisten die Mitglieder an diesem 24. August zum Rhein. Die meisten im Capri, einige bevorzugten unter anderem aufgrund der langen Anfahrt „Verbrauchsautos“. Direkt an den großen Fluss – zu diesem Zeitpunkt mit einem Pegel von deutlich unter einem (!) Meter – schmiegt sich das weitläufige Werk, wo wir von Helga Müller, die sich im Hause Ford um die Clubbetreuung kümmert, erwartet wurden. Mit einer spürbaren Erwartungshaltung, der Freude auf ein besonderes Erlebnis.

Für den CCD hat Ford eine Parkfläche im Werk reserviert.

Für den CCD hat Ford eine Parkfläche im Werk reserviert.

Zunächst durften die Capris vom außenliegenden Besucherparkplatz durch das Tor auf das Werksgelände rollen, wo ein Platz für die Kult-Coupés reserviert war. CCD-Vorstand Frank Lehmann, der sich im Vorfeld mit allen organisatorischen Fragen befasst hatte, wies die Autos professionell ein. Danach markierte das Henry Ford-Denkmal den Weg. Am in ein Stein gemeißelten Motto des Firmengründers („und trotzdem vorwärts“) vorbei ging es im Gänsemarsch an der Kaimauer zwischen Werkhalle und Rhein entlang. An der nächsten Halle sagen es dann die Beschilderungen: Hier befinden sich das allgemeine Besucherzentrum und die Classic Cars.

Bei einem Süppchen und Getränken im Besucherzentrum wurde die 36 CCDler dann von Wolfgang Laufer begrüßt. Der ist zwar längst im Ruhestand, aber noch immer mit pulsierender Leidenschaft bei der Sache. Ein echter Klassiker eben, er gilt als „Vater“ der Classic Car Abteilung. Ohne sein jahrelanges Engagement und seinen unermüdlichen Einsatz als Abteilungsleiter hätte diese einzigartige Sammlung nicht in der Form zustande kommen können, in der sie heute existiert. Mehr als 120 Fahrzeuge sind es inzwischen. Nachdem Laufer im März 1970 seine Anstellung als KfZ-Mechaniker aufgenommen hatte, durchlief er im Werk verschiedene Abteilungen – bis sein Herz ihn schließlich bei den Oldtimern gehalten hat.

„Der Dirigent“: Frank Lehmann wies die Autos ein.

„Der Dirigent“: Frank Lehmann wies die Autos ein.

Viele sind „Fahr“-Zeuge

 

Herzlich und mit ganz viel Humor führte Wolfgang Laufer die Capri-Gruppe an diesem Tag zunächst durch die Werkstatt. An mehreren Arbeitsplätzen werden die Oldies hier restauriert, repariert und gewartet. Die überwiegende Mehrzahl der Sammlung ist tatsächlich fahrbereit, dies bedeutet selbstverständlich entsprechende Arbeit.

Fahrbereit ja, im Einsatz auch? In der Tat handele es sich bei vielen Exemplaren um „Fahr“-Zeuge, die immer wieder zum Einsatz kommen, erklärte Laufer. Und wie zum Beweis stehen gerade ein Taunus 12M Coupé und der legendäre Ford V8 (der bis 1940 auch in Köln vom Band lief) auf Trailern. Der eine kommt von einem Ausflug zurück, der andere macht sich gerade auf die Reise. Trailer – also doch nur „Steh“-Zeuge? „Nein, nein, die werden bei den Terminen auch gefahren“, lacht Laufer. Oldtimer-Ausfahrten sind dies, Termine mit der Fachpresse oder ähnliches.

Neben der Werkstatt befindet sich die Großraumhalle. Hier stehen sie einträchtig nebeneinander und bilden die große Vielfalt der Geschichte aus dem Hause Ford ab. Vorkriegsveteranen, Wirtschaftswunderautos, Feuerwehren, Kleinlaster, Traktoren, Rennsportwagen. Insgesamt drei Capris zählen zum Fuhrpark. Der Gruppe 5-Zakspeed kann lediglich gerollt werden (siehe Capri aktuell 1 und 2 dieses Jahres), der Gruppe 2-RS und ein RS in Straßenversion präsentieren sich einsatzbereit.

Ein Blick in die Werkstatt, wo an den historischen Fahrzeugen geschraubt wird.

Ein Blick in die Werkstatt, wo an den historischen Fahrzeugen geschraubt wird.

Die kunterbunte Sammlung und ihr Hüter: Wolfgang Laufer, Herz und Hirn der Ford Classic Cars.

Die kunterbunte Sammlung und ihr Hüter: Wolfgang Laufer, Herz und Hirn der Ford Classic Cars.

Das Taunus 12M Coupé kehrt von einem Einsatz zurück.

Das Taunus 12M Coupé kehrt von einem Einsatz zurück.

Wie kam Wolfgang Laufer zu den Autos? Es gibt verschiedene Wege. Mal wurde ein Rennsportauto nach seiner Ausmusterung vom jeweiligen Team geschenkt. Einige Alltagsautos wurden Ford regelrecht vererbt, weil der Besitzer seinen liebgewonnenen Wagen nicht schnöde an Herrn Irgendwen verkaufen wollte. Andere wurden gegen Zahlung kleinerer Beträge – das liegt angesichts des aktuellen Booms schon einige Jahre zurück – angekauft.

„Für ´nen Kasten Bier“

Von einer Pritsche erzählte Wolfgang Laufer diese lustige Anekdote, hier stark verkürzt zitiert: „Das Ding war in einem sehr schlechten Zustand, dafür sollte aber noch ein ordentlicher Preis von einigen tausend D-Mark bezahlt werden. Ich sagte das ab, es war fernab jeglicher Realität. Einige Jahre später erhielt ich einen Anruf, was denn nun mit dem Ford sei. Ich entgegnete, dass der Wagen in der Zwischenzeit ja sicherlich nicht besser geworden sei und wir uns damals schon nicht hätten einigen können. Die Antwort: Bringen sie ´nen Kasten Bier mit und gut is´. Da wir hier im Unternehmen aber nicht in Naturalien zahlen, ist dann doch noch ein wenig Geld geflossen. Für das Bier hat es auf jeden Fall gereicht.“ Heute steht die Pritsche perfekt restauriert in der Sammlung.

Ratzfatz war die Zeit in Köln um, nach gut drei beeindruckenden Stunden verabschiedete sich der CCD-Tross von Wolfgang Laufer und Helga Müller. Zum Trost für alle, die nicht das Los einer Führung durch die Classic Cars gezogen haben: Es wird einen weiteren Termin im neuen Jahr geben, den der CCD zunächst allen anbietet, die in diesem Jahr kein Glück hatten. Mehr dazu an anderer Stelle.

Wolfgang Laufer kennt zu jedem Ford eine interessante Geschichte.

Wolfgang Laufer kennt zu jedem Ford eine interessante Geschichte.

Der Zakspeed Turbo-Capri ist tatsächlich nur ein „Steh“-Zeug.

Der Zakspeed Turbo-Capri ist tatsächlich nur ein „Steh“-Zeug.