Text & Fotos: Wolfgang Ribatzky
Online seit: 30. August 2018

Die Frühjahrssitzung dieses Jahres war für Neu-Mitglied Wolfgang Ribatzky die erste CCD-Veranstaltung. Er ist Besitzer eines recht seltenten Exemplars. Dies waren gleich zwei gute Gründe ihn um einen Bericht für die Capri aktuell zu bitten. „Erst habe ich gedacht: Muss das sein? Auf der Heimfahrt am nächsten Tag habe ich mir dann jedoch überlegt: Warum eigentlich nicht?“ So stand es in der Mail, die den Postkasten der Aktuell erreichte. Prima, dann mal los!

„Du spinnst!“

„Seit sechs Jahren fahren wir Oldtimer, einen Triumph TR 6. Das Auto macht uns sehr viel Freude und wir haben damit schon tolle Reisen unternommen. Das Handicap war immer, wenn wir damit fahren wollten, war das Wetter entweder/oder. Trotzdem war Offenfahren immer schön und andere Cabrio-Besitzer freuten sich mit uns über schönes Wetter. Aber was wenn? Und Lust auf Ausflüge mit dem `Oldie` hatten wir immer. Was tun? Erste Anregungen meinerseits: Wir sollten ein Auto mit einem festen Dach haben. Abgetan im Hause Ribatzky mit einem schlichten `Du spinnst`! Aber im Sternkreiszeichen des Fisch geborene Menschen sind hartnäckig. Und im Netz bei den einschlägigen Foren zu suchen kostet ja nichts. Ich weiß nicht mehr wie viele Mercedes, BMW, Opel und so weiter ich mir angesehen habe. Der maximale Preis und ein Modell ohne allzuviel Elektronik war gesetzt. Über ein Jahr habe ich immer wieder im Netz gesurft, mit wenig Erfolg.

Landstraße mit 100? Schneller!

Ein Familientreffen folgte. Alle waren da, dann kam das Gespräch auf Autos. Meine Chance. Zwei Stunden zuvor hatte ich einen Capri III mit 3 Liter- Motor im Netz entdeckt. Zugegeben mit der Farbe weiß/rot nicht ganz das, was ich mir unter einem schönen Auto vorstelle. Aber ein Capri mit drei Litern Hubraum? Gab es das wirklich? Hatte ich nie gehört, und ich habe in meiner Jugend doch einige Capri gesehen. Und dann noch mit Kotflügelverbreiterung!

Meine Erinnerungen an den Opel Ascona wurden wach. Damals - noch in einer Nacht zu Zeiten bevor die maximale Geschwindigkeit auf Landstraße auf 100 Stundenkilometer begrenzt wurde - habe ich die Strecke von Ulm nach Landsberg in 65 Minuten geschafft. Leicht über 100 Sachen, großartige Erinnerung. Capri statt Ascona? Ich habe die Bilder der Familie gezeigt. ´Was ist das denn? Du spinnst!´ Zustimmung hört sich anders an, trotz der Aussagen beschloss ich aber, mir das Ding einmal anzuschauen.

Keine Probefahrt - trotzdem gekauft

Am darauffolgenden Montag habe ich bei dem Händler angerufen und gefragt, ob es das Auto noch gibt.

In originaler Optik - vom Sonnendach und den Befestigungspunkten des früheren Heckspoilers abgesehen - steht Wolfgang Ribatzkys 3 Liter nun wieder da.

In originaler Optik - vom Sonnendach und den Befestigungspunkten des früheren Heckspoilers abgesehen - steht Wolfgang Ribatzkys 3 Liter nun wieder da.

Noch da, also hin. 100 Kilometer von daheim in Dornstadt entfernt. Im Verkaufsraum stand er. Armer Capri, umzingelt von lauter Porsche und Mercedes. Preis schon deutlich reduziert, keiner wollte ihn. Ich habe ihn genau angesehen. Oben, unten, hinten, vorne, innen, Motorraum. Die Kotflügelverbreiterungen hatten oben am Übergang zum Blech Risse, die Farbe war echt mies, der Motor undicht, aber die Karosserie bis auf ein paar Roststellen in Ordnung. Also Preisverhandlung, Probefahrt? Beides wurde an Ort und Stelle abgelehnt! Also bin ich unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren.

Der rote Hintern und der Flügel mussten weichen.

Der rote Hintern und der Flügel mussten weichen.

Unterrockstürmer

Einige Tage später holte ich den Capri ab. Tank leer, klar, kennt man ja bei der Fahrzeugabholung. Die nächste Tankstelle war Gott sei Dank nicht weit entfernt. Und dann auf der Landstraße nach Hause. Auf der Fahrt habe ich auf jedes Geräusch gehört. Was war das denn? Plötzlich ein Knurren, als ob ein Hund Hunger hat, es war der Lüftermotor dessen Kugellager in den Himmel der Mechanik entschwunden waren. Tankanzeige? Fehlanzeige, ein toter Zeiger. Ansonsten fuhr er unauffällig. Lediglich die 30 Jahre alten Reifen hoppelten über Unebenheiten, die es nicht gab.

Ankunft Dornstadt. `Wow´, ´Der ist ja geil`, ´ein echter Unterrockstürmer´. Sieh an, nix mehr mit dem Spinnen. So stand er dann in der Garage. Als nächstes habe ich eine Ford-Werkstatt - der Inhaber ist ein ´alter Hase´- ausfindig gemacht und alle Flüssigkeiten tauschen lassen. Die ersten Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Die Dichtung für das Differential war nicht mehr dicht, das Thermostat regulierte nicht mehr, dazu kamen einige weitere Kleinteile.

Wir haben dann die ersten Oldtimertreffen besucht. Ein solches Erlebnis wie mit dem Capri haben wir mit dem Triumph bei den Ausfahrten wirklich nie erlebt! ´Schau mal, ein Capri´ war an allen Ecken zu hören. Freunde und Bekannte, die zu Besuch kamen, waren hin- und hergerissen.

Fertig zur Neulackierung.

Fertig zur Neulackierung.

Im folgenden Herbst habe ich mich dann mit der Karosserie beschäftigt. Nach drei Besuchen bei dem Lackierer meines Vertrauens musste ich erfahren, dass er das nicht machen will. Ihm war es zu riskant, an diesem Wagen Hand anzulegen. Was nun? Es gibt in Neu-Ulm die Oldtimerfabrik, dort wird auch immer meinen Triumph gepflegt. Ich habe Kontakt aufgenommen und bin ich mit dem Capri dorthin gefahren. Nach der Besichtigung des Autos in Neu-Ulm hat mich zu Hause der Anruf ereilt, sie müssen sofort in Munderkingen anrufen, der Lackierer wartet auf ihren Anruf. Zwei Tage später war ich dort, der Lackierer ist ein echter Ford-Fan. Nach drei Stunden waren wir handelseinig.

Nach diesem Termin habe ich den Capri dorthin gebracht. Alle zwei Wochen habe ich Bilder erhalten, fuhr hin und wir sprachen über Verbesserungen. Ich muss sagen, es war ein Glücksfall für mich und den Capri, diesen Meister seines Fachs zu treffen. Nicht nur, dass er hervorragende Arbeit leistete, er war auch in der Szene aktiv und hat dort viel über mein Auto erfahren.

Damals wars: Dieter Johannes´ Capri parkt vor dem 3 Liter.

Damals wars: Dieter Johannes´ Capri parkt vor dem 3 Liter.

Lackierkabine und Sattler

Eigentlich wollte ich den Capri in weiß/blau lackieren lassen. Klassisches RS-Design, halt. Nach Recherche und Einberufung des Familienrats kam es aber anders. Der Entschluss: originale Farbgebung. Heute wissen wir, dass die Entscheidung richtig war. Beinahe unauffällig, mit seinem sexy Hintern, den dezenten Streifen auf der Seite und dem dumpfen Grollen aus dem Auspuff dreht sich jeder nach dem Auto um.

Während der Zeit in der Lackierkabine hatte sich ein Sattler des Teppichs und der Sitze angenommen. Der Schaumstoff des Gestühls war in seine Bestandteile zerbröselt, die Federn teilweise gebrochen und das Gestell verrostet. Den originalen Stoff für den Bezug gab es in Holland, der Rest war Arbeit des Fachmanns. Der Teppichboden war noch in Ordnung, musste nur grundlegend gereinigt werden.

Im letzten Jahr haben wir dann wieder einige Ausfahrten mit dem Capri gemacht. Erneut erklang das bereits vertraute ´Schau mal...`. Im Herbst 2017 stand dann die nächste Überarbeitung an. Diesmal war die Technik dran. Auf Empfehlung meines Lackierers habe ich das Auto nach Ostrach gebracht. Auch hier wurden wir uns nach langen Verhandlungen einig. Wenn man jetzt in den Motorraum schaut, sieht er aus wie neu. Nach dem Einfahren des Motors wurde nach 500 Kilometern nochmals das Öl gewechselt und der Vergaser und die Zündung eingestellt.

In der Zeit der Restaurierung des Capris haben wir dann immer wieder festgestellt, was für ein Juwel wir gefunden haben. Aktuell wissen wir, dass es einer von 50 Stück ist, die 1979 hergestellt wurden. 1980 gab es dann noch einmal 50 Stück. Wie viel es aktuell noch gibt, konnte ich nicht exakt herausfinden. Die Quellen liefern Zahlen zwischen 6 und 24 Exemplaren.

Das Foto von einst

Auf der in der Einleitung bereits erwähnten Sitzung des CCD in Kirchheim habe ich mich sehr wohl gefühlt. Vielen Dank an alle, die dort waren. Ich habe viele Informationen zu meinem Capri erhalten. Die tollste Begebenheit dabei: Ich zeigte Dieter Johannes ein paar Fotos auf dem Handy, darunter auch Bilder aus der Zeit, als ich noch nicht Besitzer des Autos war. `Halt`, sagte Dieter da und wir staunten beide nicht schlecht. Da steht mein 3 Liter am Straßenrand und davor parkt Dieters damaliger Capri. So klein ist die Welt, man muss nur im richtigen Verein sein.

Eins ist sicher: Unseren Capri werden wir hegen und pflegen und nicht in andere Hände geben.