Dieser RS ist einmalig - zahlreiche prominente Zeitgenossen aus Sport, Gesellschaft, Kultur und Politik haben sich auf seinem Blechkleid verewigt. Hier steht das Auto noch im einstigen Museum von Fritz B. Busch in Wolfegg, heute ist der Wagen im Auto & Traktor Museum Bodensee in Uhldingen-Mühlhofen zu bestaunen.

Dieser RS ist einmalig - zahlreiche prominente Zeitgenossen aus Sport, Gesellschaft, Kultur und Politik haben sich auf seinem Blechkleid verewigt. Hier steht das Auto noch im einstigen Museum von Fritz B. Busch in Wolfegg, heute ist der Wagen im Auto & Traktor Museum Bodensee in Uhldingen-Mühlhofen zu bestaunen.

Text: Auto & Traktor Museum
Fotos: Auto & Traktor Museum & Marc Keiterling
Online seit: 12. Mai 2019

Wenn aus einer skurrilen Idee eine Geschichte entsteht, die vielen Menschen einen Nutzen bringt, ist das stets eine wundervolle Angelegenheit. Ob der Initiator eines „Poesiealbums in Blech“ ernsthaft daran gedacht hat, dass knapp 50 Jahre später noch immer Besucher staunend und lesend vor den Schriften stehen?

Unterschrift im Album? Langweilig!

Die Frage bleibt unbeantwortet. Zu den Fakten. Michael Briechle, 1972 Pressechef des Automobilclubs von Deutschland (AvD), hatte im Juni dieses Jahres die Idee, Autogramme auf einem Auto zu sammeln, das Sammeln von Unterschriften auf Starfotos, Fußbällen und in verschiedenen Alben war ihm zu langweilig. Und so stellte er den schneeweißen Capri RS, mit den Emblemen von AvD, Uniroyal und der Deutschen Fernsehlotterie auf der Motorhaube, der Öffentlichkeit an der belgischen Grand-Prix-Piste Spa-Francorchamps vor.

Nicht nur auf dem Auto, auch im Karstadt Autogrammheft hinterließen die Prominenten ihre Unterschrift. Die Essener Zulassung ist dem Sitz des Warenhausunternehmens geschuldet.

Nicht nur auf dem Auto, auch im Karstadt Autogrammheft hinterließen die Prominenten ihre Unterschrift. Die Essener Zulassung ist dem Sitz des Warenhausunternehmens geschuldet.

Das Autogrammauto - wie es erfunden wurde.

Das Autogrammauto - wie es erfunden wurde."

Von Karstadt ersteigert...  ...für einen guten Zweck!

Von Karstadt ersteigert... ...für einen guten Zweck!

Neben Rolf Stommelen und weiteren Größen des Motorsports haben auch der dreimalige Formel 1-Weltmeister Jackie Stewart und Jochen Mass neben der Königsklasse den Capri im Tourenwagensport bewegt.

Neben Rolf Stommelen und weiteren Größen des Motorsports haben auch der dreimalige Formel 1-Weltmeister Jackie Stewart und Jochen Mass neben der Königsklasse den Capri im Tourenwagensport bewegt.

Als erster verewigte sich der Kölner Rolf Stommelen, damals noch einziger Deutscher im Kreis der Formel-1-Piloten und im Tourenwagensport auch auf dem Capri unterwegs.

Dieser Capri ging fortan auf Tournee und immer mehr Prominenz aus Politik, Sport, Show und Fernsehen fand einen Platz auf seiner Karosserie. Auch viele Spieler der Fußballnationalmannschaft und verschiedene Olympiasieger verewigten sich auf diesem guten Stück.

Rundreise von Kiel bis München

Das Warenhausunternehmen Karstadt AG konnte im Herbst 1972 diesen Capri ersteigern. Von nun an wurden auch Spenden für einen guten Zweck, nämlich für die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“, gesammelt. Und so ging die Reise des interessanten Autos weiter, denn nun tingelte dieses durch 40 Karstadt-Filialen von Kiel bis München. Zahlreiche weitere Sonderveranstaltungen brachten mit dem „blechernen Poesiealbum“ zusätzliche Einnahmen für die Deutsche Fernsehlotterie. Bata Illic und Jürgen Marcus aus der Schlagerbranche, Sportler wie Claus Wolfermann, Manfred Schnelldorfer und Dieter Kottysch, Schauspieler Erik Ode oder Opernsänger Rudolf Schock haben ihre Signatur auf diesem individuellen Poesiealbum hinterlassen. Aus Sicht des Autobauers besonders interessant: Auch Henry Ford II, seinerzeit Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns, zeichnete das Coupé ab. Insgesamt über 130.000 D-Mark konnte die Lotterie in diesem Zusammenhang für verschiedene Hilfsaktionen ausgeben.

In Wolfegg eingeparkt

Nach der Reise durch ganz Deutschland durfte sich der „Autogramm-Capri“ in Wolfegg niederlassen. Er fand dort eine schöne neue Heimat. Denn im Jahre 1973 gründete Fritz B. Busch im oberschwäbischen Wolfegg das erste private Automobilmuseum. In historischem Ambiente konnten über 100 Jahre Automobilentwicklung nachverfolgt werden.

Fritz B. Busch war auch Deutschlands bekanntester Autotester sowie ein Pionier unter den Auto-Journalisten. Er veröffentlichte mehrere Bücher und schrieb seit 1958 über Autotests in Fachzeitschriften wie „Auto, Motor, Sport“ und in der Illustrierten „Stern“.

Nach dem Tode Buschs im Jahre 2010 wurde das Museum von seiner Tochter Anka Busch fortgeführt. Im Herbst 2016 entschied sie sich altersbedingt, das Lebenswerk ihres Vaters im Auto & Traktor Museum weiterleben zu lassen. So zog die Sammlung von Wolfegg nach Gebhardsweiler in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee und fand dort ihr neues Zuhause. Hier wurden die Oldtimer liebevoll in die Ausstellung integriert. Und hier erinnert nun der berühmte „Autogramm-Capri“ an eine Erfolgsgeschichte und sorgt für das ein oder andere Lächeln im Gesicht der begeisterten Museumsbesucher.

Auto & Traktor Museum

Das Auto & Traktor Museum in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee ist ein einzigartiges Museum mit insgesamt 350 Automobilen, Motorrädern und Traktoren. Die Fahrzeuge sind integriert in eine Sammlung zahlloser Exponate des Alltags, mit denen die Entwicklung des Land- und Stadtlebens der letzten 100 Jahre dargestellt wird.

Auf dem Gelände eines fast verfallenen Bauernhofs ist im Frühjahr 2013 ein Museum aus alten Baumaterialien in Uhldingen-Mühlhofen am Bodensee entstanden, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Es ist eine Erlebniswelt für die ganze Familie auf 10.000 Quadratmetern. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Gruppen, Familien, Oldtimer-Liebhaber und Autofans. Kinder dürfen auf Trettraktoren durch die Ausstellung düsen. Weitere Infos gibt es im Netz unter www.autoundtraktor.museum.

AUTO & TRAKTOR MUSEUM -Bodensee

Fußballnationalspieler ihrer Zeit: Georg Schwarzenbeck, Berti Vogts, Günter Netzer und andere. Beachtlich: „Vogt“ und „Günther“ sind definitiv falsch geschrieben. Der Archivar - kein Fußballfreund.

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