Baujahr 1980 - 1.6 L

Text & Fotos: Michael WichmannOnline seit: 24. April 2018

Betörend einfach: Stahlfelge, kein Heckspoiler, 68 PS: Michael Wichmanns Auto wärmt das Herz.

Betörend einfach: Stahlfelge, kein Heckspoiler, 68 PS: Michael Wichmanns Auto wärmt das Herz.

Michael Wichmann verschlug es zur Wendezeit in die frühere DDR. Er ist auf die Instandsetzung von Flachdächern spezialisiert und von diesen gab es im sozialistischen Deutschland nicht zuletzt aufgrund der dort oft gebauten Plattenbauten viele. Gemeinsam mit Ehefrau Heidi ließ er sich schließlich in Schmachtenhagen nieder.

„Ich selbst – Jahrgang 1950 – habe von etwa 1969 bis 1985 ausschließlich Ford gefahren. Darunter waren 17m P5, P7b, Granada I und II und Sierra. Lediglich einen Capri durfte ich mir aufgrund der Vorgaben meines Arbeitgebers nicht anschaffen, weil man bei Kunden nicht mit einem `Sportwagen` vorzufahren habe und es außerdem ein Viertürer sein musste“, erklärt Wichmann. Es waren jeweils Neuwagen, „mit alten Autos hatte ich zu dieser Zeit und auch danach nichts am Hut“, erinnert er sich. Dies sollte sich mit dem Eintritt ins Rentenalter ändern.

Der „Buckel“ wurde vermisst

„Nachdem mein Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und Ruhestand 2010 kurz bevorstand, wollte ich dann auch was für die Gesundheit tun und mir eine schönes Fahrrad kaufen um im schönem Brandenburg entsprechende Touren zu machen“, erzählt er. Zu diesem Zeitpunkt telefonierte Ehefrau Karin mit einer ehemaligen Schulfreundin aus Wiesbaden. Dabei erzählte die Freundin, dass sie sich mit einem Bekannten vor einigen Jahren einen Capri angeschafft hatte, mit dem sie dann - nachdem er 30 Jahre alt ist - fahren wollten. Der Capri gehörte ihrer Tante, welche jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren durfte.

Hat hier schon einmal ein Mensch gesessen? Fabelhaft erhaltener Innenraum mit braunem Armaturenbrett.

Hat hier schon einmal ein Mensch gesessen? Fabelhaft erhaltener Innenraum mit braunem Armaturenbrett.

Das Autohaus Wink in Wiesbaden lieferte 1980 aus.

Betörend einfach: Stahlfelge, kein Heckspoiler, 68 PS: Michael Wichmanns Auto wärmt das Herz.

Zurück ins Jahr 2010. Mittlerweile war der Bekannte der Freundin meiner Frau ums Leben gekommen, sie wollte das Coupé in Folge dessen nun abgeben. „Dieses erzählte mir dann meine Frau, wobei sie nicht davon ausging das ich jetzt das Auto haben wolle – einfach nur mal so als Info für mich wie es ihrer Freundin so geht. Nun war aber mein Interesse geweckt. Einen Capri wollte ich ja immer schon mal haben, durfte aber – wie geschildert – nicht“, beschreibt Michael Wichmann die Ereignisse.

Behutsam eingefahren

Der Termin zur Besichtigung war bald gemacht. Im Anbau des betreffenden Hauses erblickte er dann das Fahrzeug. Nachdem die Plane abgedeckt war, fiel der Blick auf einen hellgrünen, immer noch blinkenden Wagen mit der sagenhaft geringen Laufleistung von nur rund 33.000 Kilometern auf den Tachowalzen. Wichmann: „Damit war klar, es wird kein Fahrrad für den Ruhestand - sondern dieser Capri. Hauptuntersuchung, H-Kennzeichen und Ölwechsel wurden in Wiesbaden gemacht und nach Erhalt der Papiere per Post habe ich ihn angemeldet. Mit den Nummernschildern holte ich den Capri dann im Juni 2010 ab. Die Rückfahrt hatte ich vorsichtshalber in zwei Etappen geplant. Die erste Etappe ging ich extrem vorsichtig an, mir war schon etwas mulmig, ob er das nach so langer Standzeit schafft. Also erst mal mit 80 auf die Autobahn. Später dann schon 90 und 100. Alles unauffällig auf den ersten 100 Kilometern. Am nächstem Tag begann dann die eigentliche Heimfahrt, nun waren 600 Kilometer zu fahren. Ich schob die Tachonadel behutsam immer weiter voran, am Ende ging es mit 120 Sachen in Richtung Heimat.“

Feuerwehrauto geboten

Im September des selben Jahres präsentierte er den Capri erstmals auf der Oldtimer Gala auf Schloss Liebenberg. Schon bei der Ankunft wollte Johannes Hübner, der bekannte Moderator zahlreicher Veranstaltungen historischer Fahrzeuge, das Kölner Coupé sofort mit seinem damaligen Feuerwehrauto tauschen. Daraufhin wurde der Capri zum Concours d` Elegeans angemeldet und gewann den „Publikumsaward“.

„Die Erstbesitzerin ist inzwischen verstorben. Es wurde ihr aber versprochen, das der Capri so verbleibt wie sie wie ihn gekauft und abgegeben hat. Im Originalzustand, wozu auch das Bild einer weißen Katze am Armaturenbrett gehört“, sagt Michael Wichmann. Die neue Leidenschaft fixte den heute 67-Jährigen so sehr an, dass es nicht bei einem Oldie blieb. Ein Mustang Cabrio von 1967, ein MG B Roadster von 1974, ein 500er Mercedes-Coupé der Baureihe 126c von 1980, ein 230er Mercedes-Coupé der Baureihe 123 von 1980 und ein „Baby-Benz“ von 1991 für den Alltag gesellten sich hinzu. Wichmann mutierte zum Oldtimer-Sammler, zum allumfassenden Schrauber wurde er nicht. „Waschen, polieren, wachsen und Konservierung, damit nirgends der Rost blüht. Schrauben nur ein bisschen“, zählt er seine Tätigkeiten auf.

Eine reizvolle Sammlung hat Michael Wichmann inzwischen zusammengetragen.

Eine reizvolle Sammlung hat Michael Wichmann inzwischen zusammengetragen.

Bei allem anderen sei er auf die Hilfe seiner Kollegen angewiesen, die er im Oldtimerclub Oberhavel gefunden hat. Da tummeln sich erfahrene Tüftler. Regelmäßig treffe man sich auch außerhalb der Werkstatt zum Fachsimpeln und zu Ausfahrten: „Und vor allem sind die Frauen immer mit von der Partie“, freut sich Michael Wichmann über das verbindende Hobby. Bei Sonnenschein ist er jedes Wochenende unterwegs. Er fährt mit seinen Autos auch mal zum Einkaufen, ins Fitnessstudio, zu den Kinder nach Hamburg oder flaniert mit dem Capri über den Berliner Kudamm. Ende Juli führt der Weg nach Rheinbach - auf den Stand des Capri Club Deutschland.

Keine Frage - der Capri bleibt!

Sechs Klassiker, trotzdem kein Luxus-Hobby findet er: „ Den Capri habe ich für 5.000 Euro gekauft, für den MG – ein Scheunenfund – musste ich nur 100 Euro berappen. Die steuerliche Belastung hält sich in Grenzen.“ Lächelnd räumt er ein: „Okay, ich habe in den Engländer anschließend auch 10.000 Euro reingesteckt.“ Für wahre Lebensqualität sorge das alte Blech bei ihm. Der Wert liege im Sehen und Gesehenwerden, im gemeinsamen Werkeln und Fachsimpeln. Vor allem, wenn er mit dem Ford Capri unterwegs sei, werde er überall angesprochen. Der eine habe in solch einem Gefährt die Fahrschule gemacht, der andere das erste Mal Richtung Bella Italia in den 1970er- Jahren die Alpen überquert. „Alle staunen und freuen sich, wollen sich mal reinsetzen“, so Wichmann, der diesen Wunsch gern erfüllt. Denn wer sich reinsetzt, wird ja nicht gleich wegfahren. So etwas komme nämlich nicht in Frage: „Keine Frage, der Capri bleibt!“

Das Bild der Katze bleibt an seinem Platz.

Das Bild der Katze bleibt an seinem Platz.