Text: Marc Keiterling
Fotos: Heinz Arndt
Online seit: 22. Dezember 2017

Kein Zweifel - ein Totalschaden: Mit etwa 40 Stundenkilometern fuhr der Capri auf den stehenden Mercedes auf, der Oldie wurde massiv beschädigt.

Kein Zweifel - ein Totalschaden: Mit etwa 40 Stundenkilometern fuhr der Capri auf den stehenden Mercedes auf, der Oldie wurde massiv beschädigt.

An einer anderen Stelle dieser Ausgabe ist von einem Traum zu lesen, der (fast) wahr wurde. Hier geht es um einen puren Albtraum, der jedoch noch glücklich endete. Einmal die komplette Skala der Gefühle runter und rauf. Mit Heinz Arndt.

Heinz und seine Lebensgefährtin Elke Hermanowicz gehören zu den sehr aktiven Mitgliedern des CCD. Regelmäßig nehmen sie an Veranstaltungen und Treffen teil, wo sie stets mit ihrem dunkelblauen III-er vorfuhren. Der sehr späte 2,3 Liter mit der Erstzulassung von 1985 besaß eine umfassende Ausstattung inklusive Schiebedach. „Er war optisch noch immer sehr hübsch. Obwohl es inzwischen doch an einigen Ecken zu knuspern begonnen hatte“, sagt er.

Pläne für die Zukunft lagen bereits in der Schublade, beziehungsweise standen in einer Garage. Eine sehr gut erhaltene Karosse konnte er sich vor einiger Zeit sichern. „Aus zwei mach eins“, war der Gedanke. Irgendwann, in ein paar Jahren. „Aus diesem Grund hatte ich auch mehrfach eine wichtige Sache aufgeschoben. Das Gutachten meines Capri war in die Jahre gekommen und angesichts der seither stark gestiegenen Preise auf dem Markt nicht mehr angemessen. Das wollte ich in diesem Jahr noch angehen - doch dann kam uns da was vor die Haube“, lächelt Heinz süßsauer.

Zu einer Wartung hatte er den Wagen bei einem Clubkollegen, dem Kfz-Meisterbetrieb von Dieter Johannes in Oberscheidweiler, abgegeben. Anfang Juli war die Arbeit beendet, Elke und Heinz düsten auf dem Motorrad in die Eifel, um den Capri wieder abzuholen. Elke nahm hinter dem Lenkrad Platz, zurück in die Heimat nach Bornheim. Heinz auf dem Zweirad hinterher.

Kurzbewertung altes Classic Data Gutachten

„Auf einem gut einsehbaren Streckenabschnitt sah ich viele Meter vor meinem Capri wie ein moderner Mercedes aufgrund überholenden Gegenverkehrs zu einer Bremsung gezwungen wurde. Was ich so wenig wie Elke realisierte: Der Benz hatte bis zum Stillstand abgebremst. Das siehst du bei modernen Bremssystemen aus größerer Distanz ja nicht mehr sofort und dieses Autos haben auch einen vergleichweise minimalen Bremsweg.

Elke bremste, bremste mehr, alle vier Räder blockierten und es hat doch nicht gereicht.“

Wie der Gutachter später errechnete krachte der Capri schlussendlich mit etwa 40 Stundenkilometern in den Neuwagen. Dabei blieben vier tiefschwarze Bremsspuren mit beeindruckender Länge auf dem Asphalt zurück. Glück für Elke: der Einschlag fand vor allem auf der Beifahrerseite statt, sie blieb weitgehend unverletzt. „Nach dem ersten Schock und der glücklichen Erkenntnis, dass es keine schweren Verletzungen gab, schoss es mir gleich durch den Kopf: ´Verdammt, mit dem Gutachten biste jetzt geliefert´“, beschreibt Heinz seine Eindrücke.

Bitterer Stand der Dinge: Die Kurzbewertung nach dem Classic Data-System vom 21. August 2008 ergab die Note 2 und einen Marktwert von 6.000 Euro.

Das würde nie und nimmer für den Ausgleich nach dem Totalschaden ausreichen, der gleich beim ersten Anblick offenkundig war. Dazu ist noch zu bemerken, dass der Versicherer diese Summe grundsätzlich nur komplett an den Besitzer auszahlt, wenn das betreffende Fahrzeug fachgerecht durch einen entsprechenden Betrieb wieder aufgebaut und dies belegt wird. In diesem konkreten Fall hat ein Aufkäufer aus Berlin über die Restwertbörse „AUTOonline“ verbindlich 1.660 Euro geboten. Die wären von den 6.000 also abzuziehen.

„Ich hätte mir in den Hintern beißen können und war zunächst auch schlicht ratlos, was jetzt passieren soll. Der Capri stand wieder beim Dieter und wurde dort vom Gutachter besichtigt“, war Heinz restlos bedient. Der Sachverständige bestätigte die Eindrücke vom Totalschaden. „Vorderwagen abgeknickt, Rahmenschaden, vermutliche Beschädigung der Vorderachse“ ist da unter anderem zu lesen. Kotflügel, Motorhaube, Frontblech, Schließbrücke - alles kaputt.

Auf insgesamt 25.000 Euro werden im Gutachten die Reparaturkosten geschätzt. Den Wiederbeschaffungswert dieses 2,3 Liter beziffert der Gutachter mit 12.500 Euro. „Dies zeigte mir noch einmal brutal die Differenz zum vor neun Jahren ermittelten Marktwert von nur 6.000 Euro auf“, so der zunächst konsternierte Besitzer.


Wird der Totalschaden abgerechnet, versucht die Versicherung den Unfallwagen über eine Restwertbörse zu veräußern, um die eigene Zahlung zu reduzieren. Das ergibt zwar ebenfalls die volle Summe, allerdings ist dann das Auto weg.Unterm Strich: Wer das Auto unter der Hand wieder „hindengelt“, bekommt nur einen Abschlag.

Womit er nicht gerechnet hatte: Seine ADAC-Oldtimerversicherung nahm nicht die Bewertung von 2008 als Grundlage, sondern rechnete ganz im Sinne ihres Versicherten nach dem ermittelten Wiederbeschaffungswert vom 14. Juli 2017 ab.

„Man kann sich sicher vorstellen, welcher Stein mir da vom Herzen fiel! So habe ich Dieter Johannes beauftragt, die Aktion ´Aus zwei mach eins´ vorzuziehen. Ich karrte nun die gute Rohkarosse zu ihm in die Eifel, wo wir dann meinen 2,3 ausschlachteten - also Innenausstattung, viele Technikkomponenten, alles was noch brauchbar war - und damit meinen ´ neuen´ Capri bauten“, fasst Heinz zusammen. 10.840 Euro überwies dafür die Versicherung des CCD-Korporationspartners, weil die ermittelte Restsumme - wie geschildert - abgezogen wurde.

Gutachten des Kaskoschadens

Unterm Strich bleibt festzuhalten: Die ohnehin geplante Umbauaktion wurde um einige Jahre vorgezogen, Heinz Arndt hat im nächsten Jahr einen Capri in richtig gutem Karosseriezustand, noch viele Teile auf Reserve liegen und sogar einige Taler der Versicherungssumme zurückbehalten können. „Ich kann die ADAC-Oldtimerversicherung nach diesen Erfahrungen nur wärmstens empfehlen“, resümiert er am Ende.

Der verunfallte Kollege links bleibt als Teileträger erhalten - bis auf jene Teile, die direkt in den „neuen“ Capri wanderten.

Der verunfallte Kollege links bleibt als Teileträger erhalten - bis auf jene Teile, die direkt in den „neuen“ Capri wanderten.

Als wäre nie etwas gewesen: Der neuerstandene Capri wurde aus einer sehr guten Karosse, vielen Komponenten aus dem Unfallwagen und frischem Dunkelblau gefertigt.

Als wäre nie etwas gewesen: Der neuerstandene Capri wurde aus einer sehr guten Karosse, vielen Komponenten aus dem Unfallwagen und frischem Dunkelblau gefertigt.