Text & Screenshots: Marc KeiterlingOnline seit: 01.Oktober 2017

Im Juli 2015 ging beim Capri Club Deutschland eine Anfrage ein. Die Real Film Berlin GmbH suchte zu diesem Zeitpunkt einen Capri II für die Produktion eines Fernsehfilms. Sehr präzise Vorstellungen hatten die Filmleute, der Mail hing das Bild eines gelb-schwarzen II-ers aus einer britischen Reklame an. Idealerweise genau so solle der Wagen aussehen. Ob wir da helfen könnten?

Die von Schriftführer Stefan Brockmann weitergeleitete Nachricht weckte mein Interesse. Warum genau ein solches Auto? Warum im allerbesten Fall genau in dieser Farbe? Ich nehme es vorweg: Diese beiden Fragen ließen sich leider nicht klären. Eine nette Geschichte kam dennoch dabei heraus.

Senta Berger und Günther Maria Halmer mit Blick auf das Sportcoupé.

Senta Berger und Günther Maria Halmer mit Blick auf das Sportcoupé.

Ich kontaktierte also Steffi Lehmkul, die Absenderin. Die Diplom-Ingenieurin der Architektur ist seit 2001 als freiberufliche Außenrequisiteurin für Film- und Fernsehproduktionen tätig. Zig Filme stattete sie bereits aus. Darunter auch einige Tatort-Folgen sowie 2014 den Kinostreifen „Banklady“. Hier wird die wahre Geschichte eines Hamburger Bankräuber- Paares aus den 1960-er Jahren erzählt,

Steffi Lehmkul.

Steffi Lehmkul.

Der II-er unterm Segeltuch.

Der II-er unterm Segeltuch.

zahlreiche entsprechende Autos sind zu sehen. Mit der Suche nach passenden Fahrzeugen kennt sie sich also bestens aus. 2015 recherchierte Lehmkul nun für die ZDF-Produktion „Die Hochzeit meiner Eltern“.

Telefonat mit Steffi Ende Juli 2015. „Warum Regisseurin Connie Walther derart exakte Vorstellungen vom erwünschten Wagen, also dem Capri von 1974 in einer Signalfarbe, hat, weiß ich leider nicht. Aber ein Capri aus dieser Reihe in einer knalligen Farbe ist die klare Bestellung. So bin ich bei meiner Suche auf den Capri Club Deutschland gestoßen. Keiner der Filmautoverleiher, mit denen ich arbeite, kann uns so einen Wagen zur Verfügung stellen“, erklärt sie mir. Ich beschreibe ihr meinen II-er in grün-schwarz. „Das würde super passen. Schick´ mir doch ein Bild und was wir sonst noch so wissen müssen“, sagt sie. Das Telefonat beendet, ich denke über das Thema nach. Am Filmset geht es zuweilen auch mal hektisch zu, wie ich als mehrmaliger Komparse (siehe die Aktuell 01/2016 mit dem Beitrag „Capri im Film“) weiß. Ruckzuck entsteht im Kopfkino ein kleiner Horrorfilm.

Der Horrorfim im Kopf

Szene: Unter einer Kastanie parkt mein II-er, aus deren Krone gerade eine überreife Frucht in die Tiefe fällt und laut klockernd auf der Motorhaube tanzt als wäre diese ein Trampolin. Dass beim Umstellen eines Scheinwerfers unglücklicherweise eine Schramme an der Beifahrertür entsteht, ist nicht so tragisch, die Kamera steht beim Fahrer. Die Anfahrszene muss noch einmal gedreht werden, weil der Darsteller beim Gangeinlegen den Tritt auf die Kupplung vergisst. Horror!

Ich schreibe der Steffi also mit Bauchschmerzen. Weise daraufhin, dass es im schlimmsten Fall praktisch keinerlei Ersatzteile gibt. Ein alter Ford sei kein alter Benz. Teile – sei es Karosse, seien es Anbauteile, seien es Zierlisten – gibt es oft nicht. Das heißt: Selbst wenn das Fahrzeug allumfassend gegen alles versichert ist, hat man im Fall der Fälle zwar Kohle, aber nicht das notwendige Teil.
Falls es mein Capri werden soll, muss also unter anderem ein Transport in einem geschlossenen Anhänger von Oberhausen nach Berlin und retour mit entsprechender Frachtversicherung erfolgen. Hinzu kämen Unterstellung des Fahrzeugs für den Zeitraum der Dreharbeiten an einem abgeschlossenen, gesicherten und überdachten Ort. Es müsste eine genau zu definierende Versicherung abgeschlossen werden, die sämtliche Schäden und deren Beseitigung bis hin zum Totalverlust abdeckt. Dazu zählen auch kleinste Kratzer im Lack oder Chrom, Dellen, Beulen und ähnliches. Der kurz zuvor durch ein Gutachten aktualisierte Wert des Fahrzeugs beträgt 12.000 Euro.

Frau Lehmkul antwortet schnell, es löst bei mir Erleichterung aus. „Wir haben tatsächlich – quasi aus Versehen - den Capri gefunden, der Regie und Kamera gefällt und dazu auch noch günstig abzugeben war. Einen, der schon Macken hat

Nicholas Ofczarek muss woanders parken - hier steht der Capri.

Nicholas Ofczarek muss woanders parken - hier steht der Capri.

und den wir mit gutem Gewissen nutzen können. Ein Filmautoverleiher kauft ihn und wir können das Ding dann mieten.“

Das Fahrzeuge aus den 1960-er und 1970-er Jahren vermehrt in Filmen zu sehen sind, ist sicher nicht nur mir schon aufgefallen. Man denke nur an „Wiederholungstäter“ aus dem Tatort. Wo Kommissar Lannert stets im 911er aus den frühen Siebzigern durch Stuttgart düst oder Kommissar Schenk in Köln einen historischen Ami nach dem anderen lenkt. Warum ist das so, frage ich die Fachfrau.

Hauptsache, der Wagen ist im Kasten: Senta Berger marschiert, Michael Wittenborn legt Blumen ab.

Hauptsache, der Wagen ist im Kasten: Senta Berger marschiert, Michael Wittenborn legt Blumen ab.

Hauptsache, der Wagen ist im Kasten: Senta Berger marschiert, Michael Wittenborn legt Blumen ab.

„Die vermehrten Youngtimer und 70- er Autos sind ganz einfach zu erklären. Mit der bösen Abwrackprämie sind alle Autos von der Bildfläche verschwunden, die nicht aussahen wie Raumschiffe. Wenn man also heutzutage ein Auto im wahrsten Sinne im Bild sehen möchte kann man nur auf noch ältere Modelle zurückgreifen, die damals - zur Zeit der A-Prämie - schon auf dem Weg waren ´alt´ zu werden und eine gute Substanz hatten. Das ist sooooo bitter, gerade für mich!“ Hast Du ein konkretes Beispiel? Steffi seufzt: „Da passieren so Dinge wie 2009 für einen Kinofilm mit Christian Ulmen, `Vater Morgana´. Dort wollte Regisseur Till Endemann unbedingt einen Ford Fiesta der ersten Baureihe in Rot haben. Es gab, glaube ich, ganze vier Exemplare in Deutschland! Durch einen Zufall habe ich auch einen davon bekommen, der war aber schon Scheintod, vom Motor her. Oh je, mindestens zwei Jahre meines Lebens hat dieser Wagen mir geraubt!“ Zurück zum Film mit dem Capri. „Die Hochzeit meiner Eltern“ lief am 12. Mai 2016 im ZDF. Anlässlich des 75. Geburtstags von Senta Berger am 13. Mai wurde dieser Termin gewählt. In der Komödie spielten neben Senta Berger weitere bekannte Schauspieler wie Günther Maria Halmer, Nicholas Ofczarek, Michael Wittenborn oder Anja Kling.